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Festrede zur Säcularfeier des Geburtsfestes Schiller's am 10. November 1859 im Namen der Ludwigs-Universität / gehalten von Dr. Gustav Baur, ord. Professor der Theologie.
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ſehen kann; und andererſeits gab ihm der neue Beruf Antrieb zu eingehenderer Beſchäftigung mit

ſeinen hiſtoriſchen und philoſophiſchen Studien, in welchen letzteren er, als durch eine

ſeinem Geiſte homogene Kraft, namentlich durch die begriffliche Klarheit und den ſittlichen Ernſt Kant's gefördert wurde. Schiller blieb zwar auch bei dieſen Studien Dichter; aber ohne Frage erwuchs doch den genannten Wiſſenſchaften aus ſeinen Leiſtungen weſentliche Förderung, und ins⸗ beſondere haben ſeine hiſtoriſchen Schriften trotz unläugbarer Mängel doch der Geſchichtſchreibung nicht bloß dadurch genützt, daß er mit der genialen Unmittelbarkeit ſeiner Anſchauung aus einzel⸗ nen Zügen meiſt ein gerade das eigenthümliche Weſen bedeutender geſchichtlicher Perſönlichkeiten

treffendes Bild darſtellt, ſondern er hat namentlich auch den Begriff der hiſtoriſchen Kunſt und die

daraus folgenden Forderungen zu klarerem Bewußtſeyn gebracht, wie eine Vergleichung der nach ihm entſtandenen Geſchichtswerke mit denjenigen, welche vor ihm in Deutſchland geſchrieben werden durften, ſchlagend beweiſt. Von ſelbſtſtändigen dichteriſchen Werken aber erſchien in den fünf erſten Jahren ſeines Jenenſer Aufenthaltes nicht ein einziges. Er hatte jetzt einen ſo hohen Begriff von der Aufgabe der Kunſt gewonnen, daß er ſich ſelbſt noch nicht für ſtark genug hielt, um ihm zu genügen. Genauauf unſres Lebensweges Mitte, wie Dante das fünf und

man auf die ungefähr gleichzeitig von Göthe eingegangene Verbindung nur mit Wehmuth hinüber⸗

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dreißigſte Jahr bezeichnet, trat auch Schiller hervor aus der einſamen Werkſtätte ernſter Denk⸗

arbeit, und aus der verwirrenden Mannigfaltigkeit der Ereigniſſe des Menſchenlebens, und ſchickte ſich an, reich an Ideen und reich an realem Stoff, mit erneuter ſelbſtbewußter Kraft die ſonni⸗

gen Höhen der Poeſie zu erſteigen. Und wie der große Florentiner als Führer den Virgil zur

Seite hatte, ſo hatte auch Schiller jetzt den größten deutſchen Dichter neben ihm zum Geleits⸗

manne gewonnen. Die Gründung der Zeitſchrift Horen war im Sommer des Jahres 1794 Anlaß geworden zu dieſer für die deutſche Literatur Epoche machenden Freundſchaft. Anſtatt jener bitteren Aeußerung Schiller's über Göthe leſen wir jetzt das herrliche, die ganze Größe ſeines

Sinnes wundervoll ausdrückende Wort:Wie lebhaft hab' ich erfahren, daß das Vortreffliche eine Macht iſt, daß es auf ſelbſtſüchtige Gemüther nur als Macht wirken kann, und daß es dem

Vortrefflichen gegenüber keine Freiheit gibt, als die Liebe! Und dafür gibt ihm Göthe, der

ſich früher durch das geniale Ungeſtüm Schiller's gleichfalls abgeſtoßen gefühlt hatte, ſpäter das

Zeugniß:Schiller war immer im abſoluten Beſitz ſeiner großen Natur.... Nichts geniert ihn, nichts engt ihn ein, nichts zieht den Flug ſeiner Gedanken herab;z was in ihm von großen An⸗ ſichten lebt, geht immer frei heraus ohne Rückſichten und Bedenken. Das war ein rechter Menſch, ſo ſollte man auch ſein! Schillern war eben eine Chriſtustendenz eingeboren: er berührte nichts Gemeines, ohne es zu veredeln. Es iſt eine Wonne, dieß herrliche Dioskurenpaar Hand in Hand in wechſelſeitiger Anregung und Förderung wandeln zu ſehen! Und neben dem Dichter Göthe hatte Schiller den Denker Humboldt zur Seite. Der Eine ſchärft ſeine Beobachtung für das Einzelne und ſchließt ihm den Sinn auf für die Wunder der Natur im Kleinen, wie im Großen; der Andere belebt in ihm die Macht der überwältigenden Gedanken und ſchärſt ſeinen Sinn für reine Formen durch die ewigen Werke des claſſiſchen Alterthums. Er ſelbſt aber vereint mit ſchöpferiſcher Kraft dieſe Elemente. Ideal und Leben ſtehen nicht mehr feindlich gegen einan⸗

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