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Festrede zur Säcularfeier des Geburtsfestes Schiller's am 10. November 1859 im Namen der Ludwigs-Universität / gehalten von Dr. Gustav Baur, ord. Professor der Theologie.
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ath hinüber. der nicht mehr getrennt neben einander:die wechſelſeitigeDurchdyingung beidex bezeichnet die äftigung mit Perigdender⸗ elaſſi ſchen ⸗Vollendung ſeiner Kunſt. Die Zeit des⸗ höchſten geiſtigen durch ein Schaffens iſt zugleich eine Zeit fortwährenden leiblichen Leidens. Aber er hat keine Zeit krank zu lichen Ernſt ſeyn, er muß ja die Aufgabe ſeines Lebens erſüllen! und mit mehr als⸗ ſokratiſcher Selbſt⸗ ohne Frage beherrſchung zwingt die eiſerne Kraft ſeines Willens, zwingt vielmehr die göttliche Kraft ſeiner ng, und ins. Begeiſterung den ſiechen Körper zu ſtets willigem Dienſt.. Im Schlußjahre des Jahrhunderts tritt

noch das erſte ſeiner elaſſiſchen Werke, und wohl das größte von allen, der Wallenſtein, her⸗

cbr. por. Von da an liſt jedes ſeiner Lebensjahre durch ein neues Meiſterwerk bezeichnet: bis eſänlihkeiten zum Jahre. 1804 erſcheinen Maria Stuart, die Jungſrau von Hrluans, die Braut dunſt und die von Meſſina und Wilhelm Tell. Daneben ſcärſt der alte heilige Ingrimm und der ver⸗ ung der nah naichtende Spott gegen alles Gemeine und Mittelmäßige und Unwahe die Pfeile ſeiner Kenien,

wetteifert er mit Göthe in ſeinen herrlichen Balladen, ſaßt er in dem perklärenden Spiegel der Poeſie das ganze menſchliche Leben zu jenen unyergleichlichen Geſängen, zuſammen, wie der Spazier⸗ gang, wie das Lied von der Glocke. Er ſteht auf der Höhe ſeiner Kunſt und ſeines Ruh⸗ mes, und was mehr ſagen will rder ſelbſt ſteht da, nach den vorausgegangenen Kämpfen in ſeinem ganzen Weſen gehoben und verklärt, gereinigt von den Schlacken, welche in früheren Jahren das reine Gold ſeines Weſens und Strebens umhüllten. Da etrifft ihn, wie einen Helden mitten im

d geſchrieben r erſchien in jett einen ſo ir ſtark genug

das fünf und

enh dend glänzendſten Siegeslauf, der Pfeil des Todes. Sein Gebet, daß ihn Gott vor einem langſamen 1 65 ſtian Sinſterben bewahren möge, iſt ihm erhört worden; ſaſt bis zum letzten Athemzuge arbeitete ſein df bi ſenmſ mächtiger Geiſt. Wo iſt der Chriſt, der ſich ſo rein dünkt, daß er den erſten Stein gegen, m Virgil zur ihn aufheben darf? 1 1 2 zum Gelets⸗ Schiller ſtarb am 9. Mai 1805, in einer gar traurigen Zeit für unſer deutſches Vaterland. Jahres 1mt Ungefähr ein halbes Jahr vorher war an jenem ſo verhängnißvoll gewordenen 2. December der Aaſtatt jenet erſte Napoleon von dem Papſte als Kaiſer geſalbt worden; ein halbes Jahr nachher wurde genau an rüße ſeinas demſelben Tage Oeſterreich bei Auſterlitz niedergeworfen. Wieder nicht ein volles Jahr ſpäter traf bei Vomnifliche Jena und Auerſtädt Preußen die Reihe. Es begann für Deutſchland die Zeit der Schmach und der daß es dem tiefſten Erniedrigung. Aber, wie es ſcheint, hat unſer Volk mit ſeinem Lieblingsdichter das gemein, Göthe, dn daß es gedrückt und bedrängt werden muß, damit ſeine Kraft geweckt und im Widerſtand⸗ geübt e, ſpäter das werde: es beſann ſich in der Stunde der Noth auf ſein beſſeres Selbſt und ſammelts ſeine Kraft, s geniet ihn, und der Geiſt ſeines Dichters wurde nach deſſen Tode erſt recht lebendig. Merkwürdigerweiſe hatte in großen An⸗ Schiller im Leben den paterländiſchen Angelegenheiten äußerſt wenig Theilnahme gezeigt, ja er rechter Nenſch, ſtellte ausdrücklich das nationale Intereſſe dem kosmopolitiſchen nach: das öffentliche Leben des verührte nichs Vaterlandes war eben von der Art, daß es einen Dichter am wenigſten zur Theilnahme einlud. npaar Hand in Aber auch hier hatte ihn der vorahnende Sinn und der prophetiſche Blick des Genius nicht ver⸗ n dem dihtet laſſen: er hatte in der Zeit ſeines Lebens die geiſtigen Waffen zugerüſtet, deren ſein Volk nach zeobachung fün ſeinem Tode bedurfte. Die Stimmung ſeines Wallenſtein, ſeiner Jungfrau, ſeines Tell iſt geho⸗ ſinen, wie im ben durch die Begeiſterung für deutſches Weſen, für Vaterland, für Unabhängigkeit und Freiheit, ſchärt ſeinm durch die Gedanken, welche nachher das deutſche Volk begeiſterten. Vor Allem aber hatte er

bſt aber vereint ihm wieder in's Herz geſungen den Glauben an das Weltgericht, welches in der Weltgeſchichte inan⸗

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