Rector magnifice und Cancellarie magnifice! Verehrte Collegen!
Theure Commilitonen!
Hochzuverehrende Anweſende!
Die Stunde, welche uns hier verſammelt hat, iſt eine geweihte Stunde der tiefſten freudig ernſten Feſtesſtimmung, einer Stimmung, die jetzt im geſammten deutſchen Vaterlande, ja über ſeine Gränzen hinaus, ſo weit nur die deutſche Zunge klingt, überall den lauteſten Widerhall findet, in welcher auch unſere Stadt in feſtliches Gewand ſich gekleidet hat und auf welche der Himmel ſelbſt mit heiterem Wohlgefallen herabzuſchauen ſcheint. Gewiß, kaum irgend einmal iſt ein vaterländiſches Feſt mit ſo allgemeiner Theilnahme aller Stämme und Bekenntniſſe, aller Ge⸗ ſchlechter und Alter und Stände begangen worden, und das Wort, welches der Dichter dem ſterbenden Attinghauſen in den Mund legt:
Hochwachten ſtellet aus auf euren Bergen,
Daß ſich der Bund zum Bunde raſch verſammle—
Seid einig— einig— einig! in dieſem Falle wenigſtens iſt dieſer ernſte Weck⸗ und Mahnruf in glänzende Erfüllung gegangen. Wir haben uns, und ganz Deutſchland hat ſich vereinigt zur hundertjährigen Feier des Tages, an welchem durch Gottes Gnade uns unſer Schiller geſchenkt wurde. Wir nennen ihn unſer mit Stolz, und ſo lange das deutſche Volk noch nicht ausgeſtrichen iſt aus der Reihe der Nationen, wird unter ſeinen Beſten er in vorderſter Reihe genannt werden. Denn wenn dem Dichter überhaupt die vielſeitigſte Theilnahme ſchon dadurch gewiß iſt, daß zum Stoffe ſeiner Schöpfungen Alles beiträgt, was nur das menſchliche Herz bewegt, und daß er in einer Allen verſtändlichen Sprache redet, ſo hat gerade er durch die ſelbſt verläugnende Hingebung, wo⸗ mit er ſeinem von Gott ihm vorgezeichneten Berufe ſich widmete und darin ſich verzehrte, alle empfängliche Herzen an ſich geriſſen; er hat alle Verhältniſſe unſeres Lebens verklärt und geadelt, indem er ſie hineinzog in den geweihten Kreis ſeiner göttlichen Kunſt, ſodaß was uns jetzt im Erdenleben in Luſt und Leid das wechſelnde Verhängniß bringt in einem ſeiner bedeutenden und
unvergeßlich eindrucksvollen Worte ſeinen reineren, ſeinen verſöhnenden Widerklang findet; und 1*


