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Festrede zur Säcularfeier des Geburtsfestes Schiller's am 10. November 1859 im Namen der Ludwigs-Universität / gehalten von Dr. Gustav Baur, ord. Professor der Theologie.
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iner ſicheren, rperiodiſchen en Thalia Verbindungen zuveran, mein al werde ich gliche Abſicht ler war nicht n Herz, und nur mit dem er Seite kam and entgegen. Begeiſterung, chaft erweckte. n Wollzogen, funden. Als edle Männer, rteſten Weiſe von tauſend Körner und te Achtung der dieſem Kreiſe die Freude cl, ſo wie in e unſchätbaren einer Würde etwa, wit 8s bren geſchwun⸗ nten proſaiſchen ernen, und um

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höchſter Bedeutung, daß ihm in Körner zum erſtenmale ein Mann näher trat von nicht geringe⸗ rer Charakterſtärke und von entſchiedener Ueberlegenheit der geſelligen und wiſſenſchaftlichen Bil⸗ dung, der mit ſeiner eben ſo eingehenden und unbeſtechlichen, als theilnehmenden Kritik die Arbeiten des Freundes von jetzt an begleitete. Durch hiſtoriſche Studien, zu welchen bereits Fiesko An⸗ laß gegeben hatte, und welche jetzt in ausgedehnterem Maße an die Beſchäftigung mit Don

Carlos ſich knüpften, lernte Schiller das wirkliche Leben gründlicher kennen, und zugleich verloren ſeine Ideale im Umgange mit dem beſonnenen Freund ihre wilde Ueberſchwänglichkeit. Ideal und Leben ſtanden ſich jetzt bei Schiller nicht mehr feindſelig gegenüber; aber zur vollendeten Ineinsbildung beider hatte er es noch nicht gebracht. Das Ideal ſteht ihm in dieſer ſeiner zweiten Periode neben, oder über dem Leben. Nirgends tritt dieſes Verhältniß mit ſolcher Beſtimmtheit hervor, als in dem bedeutendſten Werk aus dieſer Zeit, in Don Karlos. Hier vertritt der Marquis Poſa das Ideal und geht unter an dem mißlungenen, oder beſſer ungeſchickten, Verſuche, es in das Leben einzuführen, und ihm gegenüber wird durch die Repräſentanten der Wirklichkeit, durch die Alba und Domingo, eine ſo gemeine Wirklichkeit vertreten, daß allerdings das Fäſerchen in ihnen nicht aufzufinden iſt, woran die Idee ſie faſſen könnte. Nur König Philipp und die Königin bilden die geſunderen Geſtalten der ſpäteren Dramen Schiller's vor, ja dieſe Königin iſt vielleicht von allen ſeinen Frauenbildern das gelungenſte. Auch in den Göttern Griechenlands, die am Schluſſe dieſer Periode ſtehen, ſpricht ſich noch die Verzweiflung aus, die gegenwärtige Wirk⸗ lichkeit mit dem Ideal zu verſöhnen; dagegen vertreten die wenig ſpäter entſtandenen Künſtler bereits die Forderung, die Wirklichkeit nach der Idee zu geſtalten. In dieſem ſchönen, durch Großartigkeit der Anlage und des Ganges, wie durch glänzende Detailmalerei gleich ausge⸗ zeichneten Gedichte tritt uns zum erſtenmale in voller Kraft und Klarheit eine Vorſtellung entge⸗ gen, die wieder ſo ganz bezeichnend iſt für die ethiſche Grundrichtung ſeines Geiſtes und die von nun an eine ſeiner Lieblingsvorſtellungen bleibt, die Vorſtellung von der Kunſt als der Erzieherin des Menſchen. In den Briefen über die äſthetiſche Erziehung des Menſchen iſt dieſer Gedanke gründlich und beredt ausgeführt, und es bildet dieſe Schrift eine Fundgrube pädagogiſcher Weisheit, namentlich wenn man in vielen Fällen der Kunſt, von welcher Schiller die Herſtellung der als Ziel aller Erziehung mit Recht geforderten Harmonie zwiſchen dem äuße⸗ ren Geſetz und zwiſchen der Neigung erwartet, vielmehr eine lebendige Religioſität ſubſtituiert. Doch gehören dieſe Briefe bereits der letzten Entwicklungsperiode Schiller's an, als deren Anfang wir ſeine im Jahre 1789 erfolgte Berufung an die Univerſität Jena betrachten dürfen. Daß er auch in dieſem ganz beſonderen Sinne der Unſere geweſen iſt, habe ich am Eingange nicht beſonders betonen wollen; denn man kann nicht ſagen, daß Schiller ſelbſt auf dieß Verhältniß einen großen Werth gelegt hat, und die akademiſche Muſe iſt ihm niemals, um mit ſeinen eignen Worten zu reden, weder die hohe, die himmliſche Göttin geweſen, der ſein begeiſtertſtes Wirken galt, noch auch nur die tüchtige Kuh, die ihn mit Butter verſorgt. Aber er hatte jetzt doch eine beſtimmte Stellung in der Geſellſchaft und eine engere Beziehung zu ihr gewonnen, und dieſe Beziehung wurde noch verſtärkt durch die Gründung eines dem Dichter der Frauenwürde die innigſte Befriedigung gewährenden, reinen, ſchönen, wahrhaft muſterhaften Familienlebens, von welchem