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Festrede zur Säcularfeier des Geburtsfestes Schiller's am 10. November 1859 im Namen der Ludwigs-Universität / gehalten von Dr. Gustav Baur, ord. Professor der Theologie.
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die genwärtige, denkbar iſt. Die Geſtalten, welche er⸗ geſchaffen, die hohen Gedanken, welche er in ſeinen klangvollen und treffenden Worten ausgedrückt, machen ſich mit einer edlen Zudringlich⸗ keit geltend: es giebt keinen Dichter, von welchem ſo viel Schlagworte, ſo viel ſchöne Stellen im Munde des Volkes curſierten, und es wird uns ſchwer zu denken, daß dieſe Stauffacher und Melchthal zum größten Theile Schöpfungen ſeiner Phantaſie ſind, daß dieſe uns ſo lebendig vor der Seele ſtehenden Perſonen, vom Marquis Poſa bis zum Hofmarſchall von Kalb, niemals gelebt haben ſollten!

Aus dem Sturm und Drang dieſer erſten Periode ſehnte ſich Schiller nach einer ſicheren, ruhigen Stellung. Die Baſis für eine ſolche glaubte er ſich durch Gründung einer periodiſchen

Schrift zu ſchaffen, welche er ſeit dem Jahr 1784 unter dem Namen der Rheiniſchen Thalia

herausgab. In der Ankündigung wendet er ſich an das Publikum:Alle meine Verbindungen ſind nunmehr aufgelöſt. Das Publikum iſt mir jetzt Alles, mein Studium, mein Souverän, mein Vertrauter. Ihm allein gehöre ich jetzt an. Vor dieſem und keinem andern Tribunal werde ich mich ſtellen... und gern geſtehe ich, daß bei Herausgabe dieſer Thalia meine vorzügliche Abſicht war, zwiſchen dem Publikum und mir ein Band der Freundſchaft zu knüpfen. Schiller war nicht an die richtige Adreſſe gerathen. Dieſes Publikum hat zwar viele Köpfe, aber kein Herz, und viel Anſprüche, aber wenig Neigung, dem Dichter, der ihm ſein Beſtes bietet, auch nur mit dem ſpärlichen Almoſen der jährlichen Beiſteuer für eine Zeitſchrift zu lohnen. Von anderer Seite kam

ihm die geſuchte Freundſchaft und brachte ihm das volle Herz und eine volle Hand entgegen. Auch das iſt bezeichnend für Schiller's Eigenthümlichkeit, daß ihm die ſelbſtverläugnende Begeiſterung, womit er ganz für die Sache wirkte, in manchen Herzen ſolche opferbereite Freundſchaft erweckte.

Schon drei Jahre vorher hatte der Flüchtling im Hauſe einer edlen Dame, der Frau von Wollzogen, deren Söhne ſeine Studiengenoſſen auf der Karlsſchule geweſen waren, ein Aſyl gefunden. Als er im Jahr 1792 nach ſchwerer Krankheit der Erholung bedurfte, baten es ſich zwei edle Männer,

der Erbprinz von Holſtein⸗Auguſtenburg und ein Graf von Schimmelmann, in der zarteſten Weiſe 1 als eine Gunſt aus, ihn ohne alle Bedingungen auf drei Jahre mit einem Jahrgehalte von tauſend Thalern unterſtützen zu dürfen. Auch das jetzt ſich bildende Verhältniß Schiller's zu Körner und

ſeinem Kreiſe, dem der Dichter perſönlich völlig unbekannt war, war lediglich durch die Achtung der Freunde vor ſeiner geiſtigen Bedeutung und ſeinem ſittlichen Ernſte begründet worden. In dieſem Kreiſe endlich fand er eine geiſtige Heimath und jubelnd trat er mit ſeinem Hymnus an die Freude in ihn ein. In dem aus der Verbindung mit Körner hervorgegangenen Briefwechſel, ſo wie in dem Briefwechſel Schiller's mit Wilhelm v. Humholdt und mit Göthe, ſind uns die unſchätzbaren Denkmale dreier Freundesbündniſſe erhalten von einer Innigkeit und zugleich von einer Würde und einem männlichen Ernſte, wie ſie nicht ſchöner gedacht werden können. Wem etwa, wie es wohl geſchieht, das erſte Intereſſe für die Schiller'ſche Poeſie mit den Jünglingsjahren geſchwun⸗ den wäre, der mache ſich mit dieſen Briefen und mit Schiller's leider zu wenig bekannten proſaiſchen Schriften bekannt, um Schiller den Mann kennen und achten und lieben zu lernen, und um dann, beſſer vorbereitet, zu ſeinen Dichtungen zurückzukehren und eine unerſchöpfliche Quelle des erhebendſten Genuſſes in ihnen zu finden. Für die Entwicklung des Dichters aber war es von

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