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Festrede zur Säcularfeier des Geburtsfestes Schiller's am 10. November 1859 im Namen der Ludwigs-Universität / gehalten von Dr. Gustav Baur, ord. Professor der Theologie.
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Insbeſondere war jene Geſinnung die Mitgabe treuer und frommer Mutterliebe, deren zarte Sorge als ſchützender und ſegnender Engel auch den Morgen ſeines Lebens bewacht hatte; wenn auch dieſer mütterliche Einfluß minder glänzend hervortrat, als bei Göthe, und darum minder gekannt iſt, ſo iſt er doch auch bei Schiller nicht minder bedeutend für die ganze Richtung ſeines Geiſtes geworden. Es wundert uns nicht, wenn wir erfahren, daß unter ſolchen Einwirkungen der empfäng⸗ liche Knabe entſchloſſen war, dem geiſtlichen Stande ſich zu widmen, und daß er nur durch den nicht zu umgehenden Befehl ſeines Landesherrn gezwungen wurde, dieſem Entſchluſſe zu entſagen. Aber die durch nichts zu verwiſchenden, wie durch nichts zu erſetzenden Eindrücke jener Einwirkungen begleiteten ihn durch ſein ganzes Leben, und wenn ſie, wie es in der Weiſe der ächten Frömmig⸗ keit iſt, nicht an die Oeffetlichkeit laut ſich hervordrängten, ſo finden ſie doch namentlich in ſeinen Mittheilungen an Eltern und Geſchwiſter fortwährend einen wahrhaft rührenden Ausdruck. Dieſe Eindrücke überdauerten die Sturm⸗ und Drangperiode der Karlsſchule; ſie bewirkten, daß er in der Zeit, da er im Suchen nach einer feſten Stellung äußerlich ruhelos hin- und herge⸗ worfen wurde, doch die innere Stätigkeit ſeines Gemüthes nie verlor und trotz aller äußeren Be⸗ drängniß niemals ſich ſelbſt wegwarf, und ebenſo, daß er nachher, wo er eine ſichere und behag⸗ liche Exiſtenz endlich gefunden hatte und bereits der Stolz ſeines Volkes geworden war, doch auch niemals ſich ſelbſt überhob, vielmehr an ſich immer den ſtrengſten Beurtheiler ſeiner Leiſtungen hatte; und ſie verließen ihn auch auf ſeinem frühen Sterbebette nicht mit dem Troſte, der dem nicht entgehen kann, welcher inmitten des zeitlichen Lebens ſchon im ewigen zu leben gewohnt war. Leſen wir ſelbſt in jenem erſten Producte, in welchem der wild gährende junge Moſt am unge⸗ ſtümſten die alten Schläuche durchbricht, jene gewaltige Scene, worin der verzweiſelnde Sünder ſo gerne überzeugt ſein möchte, daß das DonnerwortEwigkeit ein leerer Schall iſt, und doch nicht aufhören kann, davor zu zittern: wir werden nicht zweifelhaft darüber ſein können, daß der Dichter hier nicht auf der Seite des Materialiſten und Atheiſten ſteht, ſondern auf der Seite des ernſten Bußpredigers, dem ſein Pietät den Namen eines verehrten Lehrers ſeiner Jugend, Moſer, beigelegt hat, und wir werden geſtehen müſſen, nur, wer an ſich ſelbſt die Gewalt des Wortes erfahren hat, das wie ein Feuer iſt und wie ein Hammer, der Felſen zerſchmeißt, kann ſo mit Prophetenſtärke dem hartgeſottenen Sünder die Donner des Gerichtes in die Seele rufen und die eherne Wage ihm vorhalten mit dem zerſchmetternden Richterſpruch:Du biſt gewogen und zu leicht erfunden! Nachdem aber im gereiften Mannesalter ſein raſtloſer Geiſt zur inneren Ruhe und Klarheit ſich durchgekämpft hatte, da begleitete er in dem unvergleichlichen Liede von der Glocke mit ſanfteren, von keinem Mißton getrübten Accorden das wechſelvolle Spiel des Lebens, um in allen Verhältniſſen den Sinn von den Vergänglichen hinweg auf die ewigen und ernſten Dinge hinzuweiſen.

Größeres Gewicht jedoch, als auf ſolche einzelne Kundgebungen ſeiner Gedichte, iſt, wenn es ſich um das Verhältniß Schiller's zum Chriſtenthum handelt, auf die ganz perſönliche Richtung des Mannes zu legen. Einer der größten Theologen dieſes Jahrhunderts hat auf eine feine und treffende Weiſe die ausgebildeteren Religionen in zwei Claſſen geſchieden, in teleologiſche oder ethiſche und in äſthetiſche Religionen. Ethiſche Religionen ſind ihm diejenigen, in welche alle

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