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Festrede zur Säcularfeier des Geburtsfestes Schiller's am 10. November 1859 im Namen der Ludwigs-Universität / gehalten von Dr. Gustav Baur, ord. Professor der Theologie.
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enſten Aus⸗ eſſes. Wir e Vaterland es deutſchen elche gerade witd, daß ſt finden für ag, und zu⸗ nd iſt, und in's Kraut anzen wieder

, da werden ſie nicht ge⸗ Geiſtes und m Feſte, wie wenn dieſe ings erneut; in der Er⸗ der beſtimmt Lehrer und für unſeren ng trotz der lt, daß ihre hmen laſſen, die Fahne eernende ver⸗ Trägheit und umpfe un die Ludoviciana Göthe, zum zugleich auch, t nicht leicht tingehenderts

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und an dieſe Stelle wünſcht, die ihren Beruf, über den Gegenſtand unſeres Feſtes zu reden, durch ihre wiſſenſchaftlichen Leiſtungen vor ganz Deutſchland beglaubigt haben; in wie hohem Grade er darauf rechnen muß, daß die Willigkeit der Hörer die Mängel des Redners ergänzen werde das braucht er nicht zu verſichern, und er findet ſeinen beſten Troſt darin, daß er auf dieſe Ergänzung, auf welche er rechnen muß, bei einer Stimmung, wie die dieſer Verſammlung, auch am ſicherſten rechnen kann. Darüber aber möchte doch wohl ein vorläuſiges Wort noch am Orte ſein, daß gerade einem Theologen der Auftrag geworden iſt, bei Schiller's Gedächtnißfeier zu reden.

Nun, verehrte Collegen, daß Sie dieſen Auftrag ertheilt haben, beweiſt, daß Sie jene Theologie weder überhaupt wünſchenswerth finden, noch jetzt hier zu vernehmen fürchten, die in ihrem Chriſtenthum keine Stelle findet für Schiller und Göthe und eine große Zahl der Männer, auf welche das. Vaterland mit gerechtem Stolze blickt, für jene großen Wunderleute Gottes, wie ſie unſer Luther nennt, den ich hier nennen darf, nicht bloß weil es unwürdig wäre, wenn ein proteſtantiſcher Theologe die am heutigen Tage von ſelbſt ſich aufdrängende Erinnerung an ihn zurückweiſen wollte, ſondern auch weil er unſer iſt, wie Schiller, im allgemeinſten Sinne des Wortes, als ein deutſcher Mann, deſſen Name mit der Geſchichte des deutſchen Geiſtes und der deutſchen Sprache unzertrennlich verflochten iſt. Ich kenne nun ſehr wohl die verſchiedenen einſeitig ſcharfen Ausfälle Schiller's gegen Chriſtenthum und Kirche; aber ich weiß auch daß die Kirche, wenn ſie, uneingedenk der Lehre ihres Stifters, daß er nicht gekommen ſey, die Welt zu richten, ſondern die Welt ſelig zu machen, das Evangelium aus einer lebendigen, ſelig machenden Kraft Gottes in ein neues Geſetz verwandelt, von deſſen beſchränkter Starrheit aus ſie den verwerfenden Richterſpruch raſch zur Hand hat gegen Alles, was ihren ſtricten Normen ſich nicht fügen will ich weiß, daß dann die Kirche einen großen Theil der Schuld ſich ſelbſt beizumeſſen hat, wenn manche gerade unter den geiſtig Angeregteren nicht bloß ihr entfremdet werden, ſondern auch die göttliche Kraft des Chriſtenthums ſelbſt verkennen, weil ſie von denen, welche ſie hätten verkünden und vertreten ſollen, vielmehr verhüllt und entſtellt worden iſt. Aus einem ſolchen natürlichen Rückſchlag gegen eine großentheils in äußerlichen Formen der Lehre und des Cultus erſtarrten Kirche erklärt es ſich, wenn Schiller, überſehend, daß das ſchöne WortMenſchheit erſt auf dem Boden des Chriſtenthums erwachſen iſt, Rouſſeau als den prieß, der aus Chriſten wieder Menſchen mache; wenn er gegenüber einer Kirche, in welcher er von dem ihre Sendung beglaubigenden Wehen des göttlichen Geiſtes nichts mehr verſpüren konnte, vergaß, daß das heidniſche Pantheon im glücklichſten Falle doch nur in unvollkommenen Ahnungen und in Schöpfungen der Phantaſie die wahre Verſöhnung des Menſchen mit Gott vorbildete, welche der eingeborene Sohn vom Vater auf das Vollkommenſte verwirklichte, und wenn er darum die Götter Griechenlands zurückbeſchwor, damit ſie die entgötterte Welt mit neuem göttlichem Leben durchdrängen. Aber ſolche vereinzelte Ausbrüche drücken keineswegs die Grundſtimmung ſeines Gemüthes aus. Vielmehr wohnte in der innerſten Tiefe ſeiner Seele allezeit ein ernſter, frommer und dem Weſen nach durch und durch chriſtlicher Sinn, wenn er auch häufig zurückgedrängt wurde und nicht immer in den üblichen Formen ſich ausdrückte. Es war dieſer Sinn das heilige Erb⸗ theil eines Familienlebens, von welchem vor Kurzen mit Recht geſagt worden iſt, daß es durch ſeine ſittliche Würde und wahrhaft chriſtliche Tugend die ächte Wiege des Genius geworden ſei.