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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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Aus dem weissen Senf hatten Henry und Garot einen krystal- linischen Körper, das Sulfosinapin, gewonnen, welcher durch v. Babo und Hirschbrunn als das Sulfocyanat einer organischen Base, des Sinapins, erkannt worden war. Bei späteren Versuchen hatten Robiquet und Boutron-Charlard noch eine zweite Substanz, ein Glucosid erhalten, welchem der Name Sinalbin gegeben wurde. Nach den Analysen von Will und Laubenheimer hat das Sinalbin die Zusammensetzung:

Cao HA4 Na S2 O16.

Unter dem Einflusse des Myrosins, welches ebenfalls in dem weissen Senf enthalten ist, spaltet sich das Sinalbin, wie es scheint, dem Kaliummyronat analog, nach der Gleichung:

Cao HA4 Na 82 Oie= Cs H7 NSO(5)+ CS Hi2 Oe+ Cis Hs NO5 H2 SO4

Sinalbin. Sinalbinsenföl. Zucker. Prim. Sinapinsulfat. Auch in diesem Falle würde also, wie bei der Myronsäure, die Spaltung ohne Mitwirkung der Elemente des Wassers stattfinden. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass die Reindarstellung des Sin- albinsenföls, welches die Schärfe des weissen Senfs enthält, bisher nicht gelungen ist. Dagegen konnten Will und Laubenheimer eine Verbindung isoliren und scharf charakterisiren, welche sich zu dem noch nicht mit Sicherheit festgestellten Sinalbinsenföl verhält, wie das Cyan- allyl zu dem Allylsenföl. Versetzt man eine Lösung von Sinalbin mit Silbernitrat, so entsteht eine Fällung, aus welcher sich durch Behand- lung mit Schwefelwasserstoff ein Gemenge von Schwefel und Schwefel- silber abscheidet, während in der Lösung das primäre Sinapinsulfat und eine schön krystallisirte Verbindung von der Formel Cs H. NO= C. H., CN enthalten ist, welche durch Aether ausgezogen werden kann. Wie das Cyanallyl durch Behandlung mit Alkalien in Ammoniak und Crotonsäure übergeht, so verwandelt sich der aus dem Sinalbin erhaltene Körper in Ammoniak und eine wohl charakterisirte krystallinische Säure von der Zusammensetzung: Cg Hs 03 Cr H. O, C00H,

welche die Verfasser als höchst wahrscheinlich mit der von Salkowski beschriebenen Paraoxyphenylessigsäure identisch betrachten. Nimmt man an, dass das oben beschriebene Nitril in ähnlicher Weise ent- standen ist, wie das Cyanallyl aus dem Senföl, so wird man die Formel, welche Will und Laubenheimer für das Sinalbinsenföl vorschlagen, kaum beanstanden können.

In der mit Laubenheimer gemeinschaftlich ausgeführten Arbeit scheint Will von der Forschung Abschied genommen zu haben; es ist jedenfalls die letzte, welche in Liebig's Annalen von ihm veröffent-

licht worden ist.