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begannen. Sie hatten dieselbe nahezu vollendet, als eine Arbeit von Ludwig und Lange über denselben Gegenstand erschien. Die unab- hängig von zwei Seiten unternommene Untersuchung bestätigte zunächst unzweifelhaft die Beobachtungen Bussy's, sie constatirten ferner, dass das Kaliumsalz der Myronsäure bei der Berührung mit dem Myrosin neben Senföl Zucker, Schwefel und schwefelsaures Kalium liefert. Die Zusammensetzung des Kaliummyronats drückten Will und Körner durch die Formel Cio His N K Sæ2 O10
aus. Ludwig und Lange hatten etwas mehr Wasserstoff und weniger
Sauerstoff gefunden. Die Spaltung bei der durch Myrosin,— nicht aber durch Mandelemulsin, Hefe oder Speichel,— hervorgerufenen Gährung
ist nach Will und Körner in der Gleichung:
Oio His NK S2 O10= Ca HNS+ CS Hi O+† KHSOa.
Kaliummyronat. Senföl. Traubenzucker. Prim. Kaliumsulfat. gegeben. Bemerkenswerth ist, dass die Spaltung ohne Mitwirkung der Elemente des Wassers, welche bei der Zerlegung der Glucoside in der Regel wahrgenommen wird, stattfindet. Der bei der Umbildung des myronsauren Kaliums auftretende freie Schwefel, rührt nach den- selben Beobachtern von einer secundären Reaction her, in welcher ein Theil des Senföls in Cyanallyl übergeht. Letzteres wurde nicht nur durch Analyse und Gasvolumbestimmung, sondern auch durch Umwandlung in Crotonsäure identificirt. Das Cyanallyl lässt sich übrigens aus dem myronsauren Kaliam auch durch Behandeln mit Silbernitrat herstellen. Es entsteht in erster Linie neben Zucker und Salpeter ein Silbersalz von der Zusammensetzung
CA H NSAga S O4, welches unter dem Einflusse von Schwefelwasserstoff neben Schwefel- silber und Schwefelsäure Cyanallyl liefert. Will giebt in einer Nach- schrift an, dass das Senföl des Handels in der Regel erhebliche Mengen von Cyanallyl enthält.
Es wäre seltsam gewesen, wenn das Interesse eines Forschers, welcher so wesentlich zur Erkenntniss der wahren Natur des schwar- zen Senfsamens beigetragen hatte, sich nicht auch der Untersuchung des weissen Senfsamens zugelenkt hätte. In der That begegnen wir denn auch, obwohl erst nahezu ein Jahrzehend nach der mit Körner veröffentlichten Untersuchung, einer ersten Mittheilung: Ueber einen neuen Bestandtheil des weissen Senfsamens1), welcher dann nach fast wieder einem Jahrzehend in ausführlicher Abhandlung eine gemeinschaftlich mit A. Laubenheimer ausgeführte Arbeit: Ueber das Glycosid des weissen Senfsamens?) folgte.
1) Wien. Akad. Ber. LXI, 3. Abh. 178. ²) Lieb. Ann. CXCIX, 150.
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