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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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HEIRRICH WIII. Ein Gedenkblatt.

Als wir im Laufe des Sommers das Standbild Liebig's in Giessen enthüllten, hatten sich Schüler, Freunde und Verehrer des edlen Meisters aus der Nähe und aus der Ferne zu dem schönen Feste eingefunden. Unter Denjenigen, welche den Sockel des Denkmals umstanden, waren auch noch Einige, deren Erinnerungen an die Liebig'sche Schule über ein halbes Jahrhundert zurückreichten. Aber ihre Zahl war doch nur eine kleine. Von den Vielen, die sich damals um den grossen Lehrer geschaart hatten und fröhlich und hoffnungsvoll in die Zukunft hineinblickten, wandelt heute nur noch hie und da Einer unter den Lebenden. Und von den wenigen, welche sich zu der Enthüllungsfeier eingefunden hatten, noch war der Jubel des weihevollen Festes kaum verklungen ist nun schon wieder Einer abberufen worden.

Am 15. October hat Heinrich Will, Liebig's Nachfolger an der Universität Giessen, aufgehört dem Kreise der Lebenden anzu- gehören.

Professor Will ist nicht Mitglied unserer Gesellschaft gewesen; aber das ist doch wahrlich kein Grund, weshalb ich dem ausgezeich- neten Forscher, dem verehrten Lehrer, dem langjährigen Freunde, dem Vater eines geschätzten Vereinsgenossen, nicht Worte der dankbaren Erinnerung an dieser Stelle widmen sollte! Bietet sich mir ja doch gleichzeitig vielleicht zum letzten Male willkommene Gelegenheit, auch anderer Jugendgenossen noch in Freundschaft zu gedenken!

Wohl hat sich mein persönlicher Verkehr mit Will wesentlich auf einen kurzen und schon weit zurückliegenden Zeitraum beschränkt; indes die Erlebnisse jener Jahre sind meinem Gedächtnisse unaus- löschlich eingeprägt; bin ich aber doch auch später fast ununter- brochen in Beziehung mit ihm geblieben.

Heinrich Will wurde am 8. December 1812 in dem an der Bergstrasse und dem Rande des Odenwaldes lieblich gelegenen badi- schen Städtchen Weinheim geboren. Er verlor seinen Vater, Johann

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