Druckschrift 
Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
Seite
2
Einzelbild herunterladen

Philipp Will, der städtischer Beamter war, schon als Knabe, fand aber freundliche Aufnahme in dem Hause des Hofraths Grimm, des Directors der lateinischen Schule in Weinheim. Diesem Manne, der ihm eine sorgfältige Erziehung angedeihen liess, hat Will jederzeit ein liebevolles Andenken bewahrt. Oft genug hat er seinen Freunden gesagt, Alles, was er geworden, verdanke er der Güte seines Pflege- vaters.

Nachdem der Knabe sämmtliche Klassen der lateinischen Schule in Weinheim durchlaufen hatte, wählte er als Beruf die Pharmacie. Seine Lehrzeit vom Jahre 1827 bis 1831 bestand Heinrich Will in dem badischen Städtchen Gernsbach. Nach Ablauf derselben machte er die übliche Studienwanderung, indem er in verschiedenen kleineren Städten des Grossherzogthums Baden, wie Staufen und Sinsheim, endlich auch in Heidelberg, als Gehilfe thätig war. Die Zeugnisse, welche der junge Mann aus diesen verschiedenen Stellungen mitbrachte, sind noch im Besitze der Familie. Die vergilbten Pa- piere bekunden einstimmig die Lernbegierde, den Fleiss und die Pflichttreue des Jünglings, Eigenschaften, welche in dem gereiften Manne die vorwaltenden geblieben sind. In Heidelberg fand diese Lernbegierde zum ersten Male ungeschmälerte Befriedigung; damit kam aber auch die pharmaceutische Laufbahn Will's zum Abschlusse. Im Frühling des Jahres 1834 wurde er unter dem Prorectorate des berühmten Chirurgen Chelius in die Reihe der akademischen Bürger der Ruperto-Carolina aufgenommen. Er konnte sich nun ganz der Wissenschaft widmen. Chemie hatte er schon frühzeitig mit aus- gesprochener Vorliebe getrieben, indessen auch die angrenzenden Wissenschaftsgebiete keineswegs vernachlässigt. Für das Studium der Naturwissenschaften war damals in Heidelberg treffliche Gelegen- heit geboten. Die Experimentalchemie war durch Leopold Gmelin, die pharmaceutische durch Lorenz Geiger vertreten; Georg Wil- helm Munck las über Physik, Diesbach über Botanik; Mineralogie endlich wurde von Johann Reinhard Blum und von Carl Cäsar von Leonhard vorgetragen. In den Vorlesungen dieser Männer begegnen wir von jetzt ab unserem jungen Freunde als emsigem Hörer. Seine natürlichen Anlagen im Verein mit seinem Fleisse liessen ihn schnell vorankommen. Schon nach Verlauf von kaum mehr als Jahresfrist machte ihm Prof. Lorenz Geiger den Vor- schlag, als Assistent bei ihm einzutreten. Will nahm diesen Vorschlag an; seine Verbindung mit dem trefflichen Manne dauerte aber nicht, lange, da derselbe schon im Anfange des Jahres 1836 vom Tode er- eilt ward. Unser junger Freund hatte sich mittlerweile in den Heidel- berger wissenschaftlichen Kreisen bereits sehr vortheilhaft bekannt gemacht; in der That war Leopold Gmelin froh, den Freigewordenen

sofort für den gleichen Posten in seinem Laboratorium zu gewinnen.