37 öffentlichung der neuen Methode entspann, ist heute eigentlich nur noch von historischem Interesse ¹). Reiset hatte behauptet, dass die Methode von Will und Varrentrapp unbrauchbar sei, weil der Stickstoff der Atmosphäre bei der Zersetzung stickstoffhaltiger Materien durch Alkalien in Mitleidenschaft gezogen werde. Will zeigte, dass das Ammoniak, welches Reiset dieser Mitwirkung zugeschrieben hatte, in Wirklichkeit einer Verunreinigung seines Natron-Kalks mit Salpeter entstammte. Er discutirte bei dieser Gelegenheit die bekannten Faraday'schen Versuche, welche von Reiset ebenfalls zur Begrün- geführt worden waren, und zeigte,
dung seiner Behauptungen in's Feld g dass sich unter den in Frage kommenden Bedingungen der Stickstoff der Atmosphäre niemals in Ammoniak verwandelt. Die weitere Be- hauptung Reiset's, dass ein Theil des Platinchlorids zu Platinchlorür reducirt werde, wenn man die salzsaure Lösung, welche in vielen Sällen flüssige Kohlenwasserstoffe enthält, im Wasserbade zur Trockne bringt, wird ebenfalls durch directe Versuche widerlegt.
„Von den Specialuntersuchungen auf dem Gebiete der organischen Chemie darf eine kleine Arbeit über die Zusammensetzung des Chelidonins und Jervins ²) schon deshalb nicht unerwähnt bleiben, weil wir, wie bereits bemerkt, dem Verfasser bei dieser Gelegenheit zum ersten Male in der Literatur begegnen. Was die Analysen der beiden Basen angeht, von denen die eine aus Chelidonium majus stammt, die andere neben Veratrin und Sabadillin in der Wurzel von Veratrum album vorkommt, so beziehen sich dieselben auf Producte, welche nicht von Will selber dargestellt worden waren. Die Reinheit der analysirten Basen erscheint nicht ganz unzweifelhaft, weshalb wir auch auf die Ergebnisse der Analysen nicht näher eingehen wollen.
Der Zeit nach reiht sich an die vorgenannten Analysen eine kleine Untersuchung über den Veratrumsäureäther ³). E. Merck hatte einige Jahre zuvor in dem Sabadillsamen eine neue, schön krystallisirte, von ihm mit dem Namen Veratrumsäure bezeichnete Säure aufgefunden, für welche im Liebig'schen Laboratorium von Schrötter die Zu- sammensetzung Co Hio OaA ermittelt worden war. Will untersuchte, um eine weitere Bestätigung der Formel zu gewinnen, den Aethyläther der Säure, welcher durch Einleiten von Salzsäure in die alkoholische Lösung der Säure in farblosen, bei 47° schmelzenden Krystallen er- halten wird. Derselbe zeigte die erwartete Zusammensetzung:
C11 Hi4 04— Cg9 Hõ(Cz Haz) Oa. Die Veratrumsäure ist bekanntlich seitdem in einer ganzen Reihe inter-
) Lieb. Ann. XLV, 95 und XILVIII, 147.
2) Lieb. Ann. XXXV, 113.
3) Lieb. Ann. XXXVII, 198.


