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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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setzung darbietet. Dieselben lehrten aber auch, dass die Aschen verschie- dener auf dem nämlichen Boden gezogener Vegetabilien in bemerkens- werther Weise von einander abweichen, während Aschen gleichartiger oder verwandter Pflanzen, wenn sie demselben Boden entstammen, auch eine gleichartige oder verwandte Zusammensetzung besitzen.

Wiegmann und Polstorff ¹) hatten ferner mit Sicherheit dar- gethan, dass das Gedeihen der Pflanzen, ihr Wachsthum, ihre Ent- wickelung unzertrennlich an die Gegenwart von unorganischen Materien im Boden geknüpft ist, dass die Pflanze nicht zur Ausbildung des Samens gelangt, wenn dem Boden z. B. phosphorsaure Salze feh- len. Ds war gleichwohl Liebig vorbehalten, die Wichtigkeit der Mineralbestandtheile für die Pflanzenentwickelung in ihrer ganzen Tragweite nicht nur zu erkennen, sondern auch den Landwirthen zum Verständnisse zu bringen. Mit dieser Erkenntniss war aber die Nothwendigkeit genauer Analysen der Pflanzenaschen allseitig zur Ueberzeugung gelangt, und in der That hat denn auch diese Ueber- zeugung, wie dies aus einer, der Abhandlung vorausgeschickten Ein- leitung Liebig's hervorgeht, Veranlassung zu der Arbeit von Will und Fresenius gegeben, deren wichtigste Ergebnisse in Folgendem mehr angedeutet als dargelegt werden sollen.

Liess sich aus den bereits vorliegenden Beobachtungen mit Sicher- heit erkennen, dass die Pflanze alle gelösten mineralischen Bestand- theile, welche der Boden ihr darbietet, ohne Auswahl aufsaugt, so zeigten andererseits die zur Verfügung stehenden Aschenanalysen ebenso zweifellos, dass sie eine Auswahl trifft in den unorganischen Materien, welche sie ihren verschiedenen Organen einverleibt und welche sie daher als für ihren Haushalt unbedingt erforderliche Be- standtheile in ihren Organismus einführt. Bei der Analyse der Asche der vollständigen Pflanze findet man mithin eine Anzahl von Materien, welche ihren Organen nicht angehört haben, sondern ein- fach noch im Safte gelöst vorhanden waren und die man auf diese Weise mit den wesentlichen, bereits assimilirt gewesenen oder noch assimilirbaren Mineralbestandtheilen gemengt erhält. Dagegen lässt es sich nicht verkennen, dass in dem Samen der Pflanze die zur Entwickelung des Keims nothwendigen Stoffe aufgespeichert sein müssen, dass sich daher in der Asche des Samens die der Pflanze wirklich unentbehrlichen Mineralsubstanzen von den nur aufgesaugten getrennt vorfinden. So wird also aus der Thatsache, dass die Asche des Samens der Cerealien, der Leguminosen, der Cruciferen und der baumartigen Coniferen fast ausschliesslich phosphorsaure Alkalien und alkalische Erden enthält, so dass sie mit Säuren nicht aufbraust, und

*) Ueber die unorganischen Bestandtheile der Pflanzen, gekrönte Preis-

schrift. Braunschweig 1842.