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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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gleichwohl ihre Betrachtungsweise anzueignen. Bei Einigen vollzog sich dieser Uebergang in der Stille, sie schlüpften sozusagen in die neuen Auffassungen hinein; ja es fehlte nicht an Solchen, welche am Abend noch heftige Gegner von Gerhardt und Laurent gewesen waren und am nächsten Morgen völlig bekehrt erwachten. Andere wieder hielten es für würdiger, ihren Uebertritt durch Darlegung von Gründen zu motiviren. In diesem Sinne ist der in Rede stehende Auf- satz von Will geschrieben. Er zeigte, wie die moderne Forschung unabweislich auf die Gerhardt-Laurent'schen Reformen hinwies. Wer diese Darlegungen liest, erkennt, dass der Verfasser, obwohl er sich noch der alten Ausdrucksweise bedient, gleichwohl für die neue Richtung bereits unwiderruflich gewonnen ist. Will hat, um mich eines in der Politik eingebürgerten Ausdruckes zu bedienen, in dem Aufsatze sein»Pronunciamento« gemacht.

In der Literatur der chemischen Forschung erscheint Heinrich Will zum ersten Male im Jahre 1840, in welchem er eine kleine Arbeit über die Zusammensetzung des Chelidonins ausführte; die letzte Untersuchung des Forschers über das ätherische Oel des weissen Senfs, welche er gemeinschaftlich mit A. Laubenheimer veröffent- lichte, datirt aus dem Jahre 1879; die Forschungen Will's um- spannen daher einen Zeitraum von nahezu vierzig Jahren. Diese Forschungen gehören sowohl dem Gebiete der anorganischen als dem der organischen Chemie an. Bei der flüchtigen Rückschau auf die wichtigsten Ergebnisse derselben, welche dieser Skizze nicht fehlen darf, scheint es zweckmässig, von der chronologischen Reihenfolge abzusehen und dem Gegenstande nach Zusammengehöriges, obwohl oft durch erhebliche Zeitabschnitte getrennt, neben einander zu stellen.

Von den Arbeiten aus dem Gebiete der Mineral-Chemie möchte ich in erster Linie an die umfassenden Untersuchungen über die unorganischen Bestandtheile der Vegetabilien ¹1) erinnern, welche Will im Jahre 1844 in Gemeinschaft mit seinem Freunde R. Fresenius ausgeführt hat.

Es war die Zeit, in welcher Liebig seine ganze Aufmerksam- keit der Lösung von Pragen aus dem Bereiche der pflanzen-physiolo- gischen Chemie gewidmet und zumal auf die wichtige Rolle hinge- wiesen hatte, welche die Mineralbestandtheile in dem Ernährungs- processe der Pflanze spielen. Zu letzterer Auffassung hatten jedenfalls de Saussure's Arbeiten über die Vegetation den ersten Impuls ge- geben. Durch Berthier's Analysen wusste man überdies, dass die Be- schaffenheit des Bodens auf die Natur der Asche von Einfluss ist, dass z. B. die Asche der nämlichen, aber auf verschiedenem Boden gewachsenen Holzart wesentliche Verschiedenheiten in der Zusammen-

¹) Lieb. Ann. L, 363.