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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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30 anderen aus dem Garten Herbeigeeilten den zu Boden Gesunkenen nach dem Hause. Es war schon ziemlich dunkel geworden und Dr. Mahla hatte keine Ahnung, wem er zu Häülfe gekommen war. Erst als man Licht brachte, erkannte er die Züge des Sterbenden. Es war ihm vergönnt gewesen, dem Freunde einen letzten Liebes-

dienst zu erweisen.

Der Inhalt eines Gelehrtenlebens ist die im Dienste der Wissen- schaft vollbrachte Arbeit. Wir wollen daher auch, ehe wir von un- serem Freunde Abschied nehmen, einen Ueberblick über seine wissen- schaftliche Thätigkeit zu gewinnen suchen.

Von Will's schriftstellerischen Erzeugnissen ist schon im Vor- stehenden mehrfach die Rede gewesen. Hier sei noch nachträglich bemerkt, dass die»Anleitung zur chemischen Analyse« im Jahre 1883 in zwölfter Auflage erschienen ist, ein unzweideutiger Beweis, wie nützlich sich das Buch für den Unterricht erwiesen hat. Es ist überdies auch in fast alle europäischen Sprachen, ins Englische sogar mehrmals, übersetzt worden. Bezüglich einer japanischen Ueber- setzung hat Wi l! noch kurz vor seinem Tode mit Nagajosi Nagai verhandelt. An dem Liebig-Kopp'schen»Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie und verwandter Theile anderer Wissenschaften« hat er sich von Anfang an umfangreich betheiligt. Im Jahre 1856 20g sich Liebig von der Redaction des Jahresberichtes zurück; an seine Stelle trat Will, welcher nun in Gemeinschaft mit Kopp das Werk bis zum Jahre 1862 herausgab. Am Schlusse dieses Jahres trat auch Kopp zurück, und Will unternahm nun für die nächsten fünf Jahre die Redaction allein, eine Aufgabe, welche ihrem ganzen Um- fange nach nur Der zu bemessen vermag, welcher dem Aufschwung der chemischen Forschung gerade in jener Zeit mit Aufmerksamkeit ge- folgt ist. Im Jahre 1868 ist die Herausgabe des Jahresberichtes als- dann in andere Hand übergegangen. Noch wollen wir an dieser Stelle eines Aufsatzes theoretischen Inhalts gedenken, den Will unter dem Titel:»Zur Theorie der Constitution organischer Verbin- dungen ¹)« in der Mitte der 50 er Jahre veröffentlicht hat. Es war die Zeit, in weleher Gerhardt's und Laurent's reformatorische Bestre- bungen mehr und mehr zur Geltung gelangten. Man konnte sich nicht länger der Ueberzeugung verschliessen, welche Vortheile die von ihnen vorgeschlagene neue Notation bot, und so begann denn allmählich ein Chemiker nach dem anderen in das Lager der beiden Reformer über- zugehen, um sich, wenn er auch noch zögert, ihre Sprache zu sprechen,

¹) Lieb. Ann. XCI, 257.

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