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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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dacht werden konnte, war er stets bereit, den oft raschen Erwerb, den ihm seine Kunst brachte, Anderen zu Gute kommen zu lassen, nicht selten in einem Maasse, dass er selber darbte. Und ebenso frei- gebig wie mit seinem Gelde wenn er welches hatte war er mit seinem künstlerischen Können, das ihm niemals fehlte. Wenn er mit seinen akademischen Freunden in die Weite zog, so kam er gewiss jedesmal mit einem wohlgefüllten Skizzenbuch zurück, und wenn dann Jeder ein Blatt zum Andenken haben wollte, so hatte er schnell eine

schöne Zeichnung auf Stein vollendet es war in vorphotographischer Zeit von welcher sämmtliche Genossen ihren Abdruck erhbielten.

Auf diese Weise ist eine Reihe der schönsten Bilder von Commersen und Studentenfahrten entstanden, in denen oft Dutzende von wohlge- troffenen Porträts vereinigt waren. Wie schnell unser Freund mit seinem Griffel bei der Hand war, davon ist das Original der diesen Blättern beigegebenen Zeichnung ein schlagendes Beispiel. Es war die Zeit, in welcher das Giessener Laboratorium fertig geworden war, und mein Vater hatte es, auf Liebig's Wunsch, unternommen, eine kurze Beschreibung des von ihm ausgeführten Baues herauszugeben), zumal er auch mehrfach um Mittheilung der Pläne gebeten worden war. Man hatte auch mehrfach davon gesprochen, dem Büchlein eine innere Ansicht des Laboratoriums beizugeben und auch Traut- schold von dieser Absicht flüchtig in Kenntniss gesetzt; wie gross aber war das Erstaunen aller Betheiligten, als unser Maler schon nach wenigen Tagen die prächtige Zeichnung brachte, welche dem kleinen Buche zur Zierde gereicht. Fast alle Köpfe in derselben sind Porträts; besonders charakteristisch und gewissermaassen den Mittel- punkt der Zeichnung bildend erscheint Will's ragende Gestalt, genau wie er im Unterrichte uns gegenüberzustehen pflegte. Das Blatt giebt überdies ein anschauliches Bild des Laboratoriums, in welchem der Verewigte eine so lange und segensreiche Lehrthätigkeit geübt hat.

Von Trautschold, dem Zeichner desselben, will ich nur noch erwähnen, dass er später eine grosse Reihe ausgezeichneter Oelbilder geschaffen hat, unter denen die Porträts von Liebig, Buff, Graham und Bence Jones ganz besonders erwähnt zu werden verdienen. Er ist schon 1876 in München gestorben.

Mein Verkehr mit Will war seit den in Giessen mit einander verlebten Jahren zunächst wesentlich auf den fast ausnahmslos allherbstlich sich wiederholenden Besuch meiner Vaterstadt beschränkt gewesen; wir sind indessen auch mehrmals auf längere Zeit zusammengeführt

*) Das chemische Laboratorium der Ludwigs-Universität Giessen, darge- stellt von J. P. Hofmann, Provinzial-Baumeister. Nebst einem Vorwort von Dr. Justus Liebig. Heidelberg 1842.

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