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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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an die Gefahren, welche dem geliebten Lehrer drohen, er sieht die fried- liche Musenstadt bereits in Feindes Händen und die Familie seines Freundes bitterem Elend Preis gegeben.»Ich bin kein reicher Mann«, schreibt er,»allein es würde mich beglücken, wenn ich, was ich be- sitze, Ihnen zur Verfügung stellen dürfte. Ich kann Ihnen sofort eine Fünfzig-Pfund-Note übersenden, der ich schon im nächsten Monate eine zweite und nach kurzer Frist eine dritte folgen lassen werde.« Will antwortet seinem englischen Freunde:»Könnten Sie Zeuge der Begeisterung sein, mit welcher unsere deutschen Krieger in den Kampf ziehen, das Schicksal der Stadt Giessen würde Ihnen keine Sorge machen.« Der treffliche Mann scheint sich denn in der That auch beruhigt zu haben; in den späteren Briefen ist von ähnlichen An- erbieten nicht mehr die Rede, dagegen finden wir, dass ein Theil der Mittel, welche für den nothleidend gedachten Freund in Aussicht ge- nommen waren, den deutschen Verwundeten, denen sich Will's ganze Theilnahme gewidmet hatte, zu Gute gekommen ist.

Es ist nicht Aufgabe dieser Skizze, den nun rasch aufeinander folgenden denkwürdigen politischen Ereignissen nachzugehen; es ver- dient aber doch darauf hingewiesen zu werden, wie richtig unser Freund die Sicherheit der guten Stadt Giessen beurtheilt hatte. Der Kampf dauert allerdings noch fort, aber die ehernen Würfel des Krieges sind gleichwohl bereits gefallen, und in der Will'schen Familie darf man unbesorgt die Vorbereitungen zu einem schönen Friedensfeste treffen. Im Spätherbst des Jahres wird Fräulein Sophie, die älteste Tochter des Hauses, von dem jungen Physiker Carl Zöppritz heim- geführt. Die Trennung von der geliebten Tochter wurde von den Eltern minder schwer empfunden, da das junge Paar in der Heimath bleiben und sich unfern des Vaterhauses ansiedeln konnte. Und ähn- liche Gunst wird der glücklichen Familie zu Theil, als sich einige Jahre später eine zweite Tochter mit dem Ophtalmologen Sattler vermählte, der gleichfalls Professor in Giessen war. Allein, junge Professoren betrachten es nicht als ein Unglück, wenn andere Uni- versitäten nach ihnen ausschauen; und so folgten denn auch Will's Schwiegersöhne schon bald, der Eine als Geograph einem Rufe nach Königsberg, der Andere als Augenarzt einem Rufe zunächst nach Erlangen, dann nach Prag. Als nun aber auch, gegen Ende der 70 er Jahre, der Sohn des Hauses, nachdem er unter der Leitung des Vaters seine chemischen Studien vollendet und als Freiwilliger seinen militäri-

schen Pflichten genügt hatte, als Assistent am Universitätslaboratorium

nach Berlin übergesiedelt war, da fing es an während des Semesters wenigstens in dem Will'schen Hause ziemlich stille zu werden. Um

so fröhlicher aber pulsirte dort das Leben während der Ferien. Die beiden akademischen Schwiegersöhne konnten unbehindert dem Zuge ihrer Frauen nach dem Elternhause folgen, wo auch der Sohn bald nach