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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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dem Schlusse des Semesters regelmässig eintraf. Giessen war nach wie vor der Mittelpunkt der Familie. Andererseits war aber auch wieder Veranlassung zu vermehrter Beweglichkeit der in Giessen Zurückge- bliebenen gegeben. In den fern von dem Vaterhause Angesiedelten hatte die Familie ebensoviele neue Anziehungspunkte gewonnen. Man war begierig, sich ein Bild von den neugestalteten Lebensbedingungen der theuren Angehörigen zu machen. Frau Will war mehr als einmal zwischen Giessen und Königsberg, und zwischen Giessen und Erlangen oder Prag unterwegs, und im Herbst 1882 hatte sich sogar die ganze Pamilie am Ostseestrande niedergelassen, um den Königsbergern näher zu sein. Bei dieser Gelegenheit hat Will auch seinen Sohn in Berlin besucht, leider zu einer Zeit, in welcher die Mehrzahl der Mitglieder unserer Gesellschaft abwesend war, so dass wir den verehrten Fach- genossen nicht nach Gebühr empfangen konnten.

Indessen mit der Erweiterung der Familie waren auch noch andere Reiseziele in Sicht getreten. Sofort nach Vermählung der Töchter hatte die Familie Will auch mit den Angehörigen der Schwiegersöhne nähere Beziehungen angeknüpft, und es war zumal schon nach kurzer Frist ein sehr freundschaftlicher Verkehr zwischen Will und dem Vater seines Schwiegersohnes, Hrn. Carl Zöppritz sen, dem Besitzer grosser Textilfabriken in Mergelstetten bei Heidenheim zu Stande gekommen. Schnell hatte man herausgebracht, dass sich die Alpen eben so gut wie durch den Elsass oder den Schwarzwald auch durch Schwaben erreichen liessen, und von jetzt ab diente der Schweizerreise fast allherbstlich ein kurzer Aufenthalt in Mergelstetten als Präludium. Glückliche Tage waren es dann, wenn auch die Königsberger mit den Enkeln gleichzeitig dort eintreffen konnten.

Wiederum war ein Jahrzehend entrollt. Vierzig Jahre waren verflossen, seit Will in Giessen habilitirt war, dreissig Jahre hatte er als Ordinarius des Lehramts gewaltet. Noch hatte er seine Arbeit in keinerlei Weise eingeschränkt; allein er begann doch zu fühlen, dass die aufreibende Thätigkeit des Laboratoriums-Unterrichts seine Gesundheit zu beeinträchtigen drohte. Er entschloss sich, in das Privatleben zurückzutreten. Der Entschluss, die ihm liebgewordene Lehrgewohnheit aufzugeben, den belebenden, ich möchte sagen, ver- jüngenden Umgang mit der Jugend zu missen, ist ihm schwer genug geworden, und zahlreiche Beweise der Liebe und Dankbarkeit, welche ihm seine Schüler bei dieser Gelegenheit bekundeten, waren nicht geeignet, ihn zu erleichtern. Auf einem allgemeinen Studenten-Com- mers, welchen dieselben am 22. Juli 1882 veranstalteten, war die Verehrung, welche Jung und Alt dem gefeierten Lehrer zollte, noch einmal in vollem Umfange zum Ausdruck gelangt. Nicht ohne Wehmuth verliess Will die Wohnung über dem Laboratorium auf

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