Physiker Carl Zöppritz, der schon nach kurzer Frist die Rechte eines Sohnes bei ihm erwerben sollte. Aber auch mit Männern, die anderen Berufskreisen angehörten, entwickelte sich freundschaft- licher Umgang, und hier denke ich zunächst an den Kanzler der Universität, Prof. Wasserschleben, an den er sich, zumal in spä- teren Jahren, auf das Engste anschloss. Gleichzeitig war er mit vielen der von Giessen Weggegangenen, Lehrern wie Schülern, durch lebhaften Briefverkehr in Verbindung geblieben, wenn nicht die Gunst der Verhältnisse eine Fortsetzung der persönlichen Beziehungen ge- stattete, wie dies mit. Constantin Zwenger der Fall war, welcher schon frühzeitig in dem nahe gelegenen Marburg eine Professur erhalten hatte. Jedoch auch mit anderen Freunden älterer und neuerer Zeit stand Will im lebhaften Briefwechsel, wie z. B. mit seinem Altersgenossen Pompeius Bolley, Professor an dem eidgenössischen Polytechnicum in Zürich, den er von seiner Studienzeit in Heidelberg kannte, mit Emil Kopp, dem Schwiegersohn und Nachfolger desselben, mit Rudolf Böttger, dem vielseitigen Professor der Physik und Chemie in Frankfurt a. M.
Oft genug aber reichte der Briefwechsel für den Gedankenaus- tausch, welchen die Freunde anstrebten, nicht aus, und dann galt es, den brieflichen durch mündlichen Verkehr zu ergänzen. Für solchen Verkehr boten die grossen Herbstferien erwünschte Gelegenheit. Die- selben wurden denn auch stets von Jung und Alt im Will'schen Hause mit Sehnsucht erwartet. Die kleinen Leute wussten, dass nach Schluss des Semesters in der Regel zunächst eine Fahrt in das Lahnthal zur Ausführung gelangte, auf welcher sie mitgenommen wurden. Man begreift, dass die Aussicht auf eine solche Fahrt, die gewöhnlich zu Fuss gemacht wurde, die jungen Herzen schon Wochen lang vorher in lebhafte Schwingungen versetzte. Allein auch die Eltern freuten sich auf den Ausflug mit ihren Kindern.
Gelegentlich eines solchen Ausflugs ereignete sich die ergötzliche Geschichte, auf welche Carl Vogt in seinem Erinnerungsblatte an- spielt. Die Gesellschaft war reisefertig. Das Ränzel auf dem Rücken oder die Botanisirtrommel um die Schulter geschlungen stand die kleine Schaar gerüstet und wartete mit Ungeduld auf das Signal zum Auf- bruch, als der Postbote einen grossversiegelten Brief mit der be- ängstigenden Aufschrift Qitissime« brachte.»Das musste auch noch kommen«, sagte Papa Will, indem er das Siegel erbrach, und eine Wolke lagerte sich auf seiner Stirne. Der Brief enthielt die gericht- liche Ladung, den Magen eines Individuums zu untersuchen, dessen Tod einer Alkoholvergiftung zugeschrieben wurde. Aber ebenso schnell verschwand die Wolke wieder, und der bereits tiefgesunkene Muth des kleinen Volks hob sich von Neuem. Um den Magen vor


