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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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Die Revolution im Jahre 1848 brachte uns, wenigstens räumlich, auseinander, wenn auch die Bande der Freundschaft ungelockert blieben. Bei unseren vielfachen Begegnungen in Deutschland und der Schweiz zeigte sich Will stets, was er immer gewesen, der alte, treue Kamerad, voll herzlicher Zuneigung und Theilnahme, und stets, wenn ich an ihn denke, klingt mir das Uhlan d'sche Lied in der Seele wieder und lässt keine weiteren Gedanken und Worte aufkommen.«

Die Preignisse des Jahres 1848, an die Carl Vogt am Schlusse seines Briefes erinnert, konnten begreiflicherweise nicht ohne Rück- wirkung auf die Arbeiten unseres Freundes bleiben. In einer Uni- versitätsstadt, welche Frankfurt a. M., dem Centrum der politischen Bewegung jenes Jahres so nahe liegt, musste sich der dort wie aller Orten angehäufte Zündstoff rasch entflammen, und der Ausbruch des Brandes wurde noch durch den Umstand beschleunigt, dass gerade Carl Vogt von der Stadt Giessen in das Frankfarter Parlament gesendet worden war, in welchem der junge Feuerkopf durch die Wucht seiner Persönlichkeit ebenso sehr wie durch seine hinreissende Beredsamkeit schnell grossen Einfluss gewonnen hatte. Schon nach kurzer Zeit standen neben der Bürgerschaft die Professoren und Studenten unter den Waffen. Da der Höchstkommandirende im Frankfurter Parlamente sass, so führte den Oberbefehl über die Giessener Streitkräfte der Prosector Adolf Bardeleben, welcher als früherer Einjähriger Escadrons-Chirurgus im preussischen Zweiten Garde- Ulanen-Regiment für seine hohe militärische Stellung in glücklichster Weise vorbereitet war. Zum Premier-Lieutenant hatte er Will ernannt; Liebig, Buff, der Anatom Bischoff, Carriere und Zamminer dienten als Gemeine. Freund Bardeleben weiss noch heute von den kriegerischen Vorbereitungen in der lieben Lahnstadt höchst ergötzlich zu erzählen und bildet sich zumal nicht wenig darauf ein, dass der Gemeine Liebig auf seinen Befehl mehr als einmal vor dem Rathhause Schildwache gestanden hat. Dass die Hörsäle der Uni- versität und die Laboratorien in solcher Zeit verödet waren, braucht nicht gesagt zu werden. Inter arma silent musge.

Jedermann weiss, wie diese herrlich begonnene Bewegung schliess- lich ohne praktisches Ergebniss im Sande verlief. Deutschlands Zeit war noch nicht gekommen. Es mussten noch zwei Jahrzehende ver- fliessen, ehe der Einheitsgedanke, welcher schon damals die Herzen erfüllte, zur Verwirklichung gelangte. Wohl lebte die Erinnerung an dieses ideale Ziel, welches die Edelsten der Nation im Frankfurter Parlament angestrebt hatten, noch lange in den Gemüthern fort, aber man war doch überall bald in die alten Lebensformen zurück- gekehrt. Auf den deutschen Hochschulen widmete man sich wieder, mehr noch vielleicht wie früher, der Pflege der Wissenschaft; die akademische Jugend suchte in dieser Pflege einen Trost für die Ent-