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Heinrich Will : ein Gedenkblatt / [A.W.v. Hofmann]
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Playfair, Alexander William Williamson, John Blyth und so viele Andere, welche den Erfolg der zu begründenden Schule schon durch ihren Namen verbürgt hätten. Allein diese Männer standen meist bereits in gesicherten Lebensstellungen oder hatten andere Aufgaben im Sinne. Ausserdem war auch die zur Begründung der chemischen Schule zusammengetretene Gesellschaft, an ihrer Spitze Sir James Olark, der berühmte Leibarzt der Königin von England, der Ansicht, dass man die Führung einer dem Giessener Universitätslaboratorium nachzubildenden Anstalt einem in diesem Laboratorium unter Liebig's Augen ausgebildeten jungen deutschen Chemiker anvertrauen solle. Liebig musste sich also bequemen, die an ihn gerichtete heikle Anfrage zu beantworten. Er brachte, der Natur der Sache nach, in erster Linie Heinrich Will in Vorschlag, dessen Kraft im Lehr- amte sowohl, wie in der Forschung sich bereits allseitig bewährt hatte. An zweiter Stelle widerfuhr dem Verfasser dieser Skizze die Ehre, genannt zu werden. Mit grösserem Rechte hätte Liebig viele andere Würdigere nennen können! Unmittelbar nach erfolgter Ant- wort erging denn auch unter sehr annehmbaren Bedingungen die Be- rufung an Will. Es lag etwas Verführerisches in der gestellten Auf- gabe; aber nach reiflicher Ueberlegung konnte sich unser Freund doch nicht entschliessen, den bereits gesicherten Besitz in der Heimath gegen eine noch zu erringende Stellung im Auslande auf- zugeben. Im Hinblick auf seine Verbindung mit der Universität, der er seit Jahren als Docent angehörte, und zumal auf seine erfolgreiche unabhängige Thätigkeit in dem Filiallaboratorium, glaubte er den ihm gewordenen ehrenvollen Ruf dankend ablehnen zu müssen. Dem Schreiben des Secretärs der englischen Gesellschaft, welches Will von der auf ihn gefallenen Wahl benachrichtigt hatte, war noch nicht dagewesenes Beispiel der geschäftlichen Behandlung einer Be- rufungsangelegenheit! ein Brief beigefügt, in welchem der Be- rufene, falls er wider Erwarten nicht geneigt sein sollte, die ihm ge- botene Stellung anzunehmen, gebeten wurde, das Berufungsschreiben sofort per Post an den in zweiter Linie Vorgeschlagenen gelangen zu lassen. Und so fand ich denn in der That eines schönen Morgens, als ich aus einem mässig besuchten Publikum nach Hause kam, einen Brief meines Freundes Will vor, durch welchen ich die erste Kenntniss von der ganzen Geschichte erhielt. Dem Briefe beigelegt war das Berufungsschreiben des Secretärs der englischen Gesellschaft. Es braucht kaum bemerkt zu werden, dass die Metropole an der Themse eine wesentlich andere Anziehung auf den einsommerlichen zonper Privatdocenten übte, der sich denn auch ohne allzugrosses Bedenken bereit finden liess, der nunmehr an ihn ergangenen Auf-

forderung zu entsprechen.