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einen schönen Anlauf gemacht hatte, scheint in andere Bahnen ein- gelenkt zu sein; in der Chemie ist er verschollen, ich habe trot⸗z mehr- facher Nachfrage nichts mehr von ihm erfahren können. Desto mehr sind die europäischen Freunde mit dem Amerikaner Lawrence Smith in Verbindung geblieben, welcher als Vertreter der Vereinigten Staaten die Weltausstellungen fast regelmässig zu besuchen pflegte. In Giessen arbeitete er eifrigst über Wallrath, ist jedoch später ganz zur minera- logischen Chemie übergegangen. Er ist inmitten grosser industrieller Unternehmungen im kräftigen Mannesalter vom Tode überrascht worden. In voller Frische arbeitet dagegen noch heute sein Landsmann Eben Norton Horsford, ebenfalls einer von Will's besonderen Freunden. Horsford, der in Giessen eine schöne Arbeit über das Glycocoll ge- macht hatte, war lange Zeit Professor am Harvard College in Cam- bridge, hat sich jedoch, durch erfolgreiche Unternehmungen auf dem Ge- biete der technischen Chemie in den Besitz eines fürstlichen Vermögens gelangt, vor einigen Jahren von dem Unterricht zurückgezogen und beschäftigt sich eben mit archäologischen Studien. Noch jüngst erst hat er dem Verfasser dieser Skizze durch Uebersendung einer Schrift über die Entdeckung der alten Stadt Norumbega eine grosse Freude bereitet.
Mit den meisten dieser Männer ist Heinrich Will lebenslang in Verbindung geblieben. Viele derselben haben ihm, oft nach jahre- langer Trennung, unzweideutige Beweise ihrer Freundschaft gegeben.
Im Anfange des Jahres 1845 kam mein persönlicher Verkehr mit Heinrich Will zu einem zeitweiligen Abschlusse, indem ich nach Bonn übersiedelte, wo ich mich als Privatdocent habilitirt hatte, während mein Freund in Giessen zurückblieb. Indessen schon im Herbst desselben Jahres erneuerten sich unsere Beziehungen, indem wir— seltsam genug— fast in eine Art Wettbewerb miteinander versetzt wurden. Um diese Zeit hatte man in England den Plan gefasst, aus Privatmitteln eine chemische Schule nach dem Muster des Liebig- schen Unterrichtslaboratoriums zu gründen, und Liebig gebeten, einen seiner deutschen Schüler für die Leitung derselben in Vorschlag zu bringen. Nicht dass es in England an geeigneten Kräften gefehlt hätte! Da war in erster Linie Faraday, der grösste Forscher seiner Zeit und vielleicht aller Zeiten, aber Faraday hatte sich bereits ausschliesslich physikalischen Aufgaben zugewendet und war überdies nicht geneigt, einen Theil seiner Zeit, welcher für die Lösung der ihn beschäftigenden Probleme kaum ausreichte, dem Unterrichte zu widmen; da war Thomas Graham, der eben seine bahnbrechenden Untersuchungen über die Phosphorsäuren vollendet hatte, da waren William Gregory und Robert Kane und unter den Jüngeren William Allen Miller, George Fownes, Lyon


