Unter unseren Studiengenossen waren auch zwei hochbegabte junge russische Chemiker, Alexander Woskresensky und Ni- colaus Zinin. Der Erstere hatte gerade die Entdeckung des Chinons gemacht, um welche wir, die Zukunft dieses Körpers ahnend, ihn Alle beneideten. Der Andere beschäftigte sich mit Benzoylverbin- dungen; seine berühmte Arbeit, welche die für die Entfaltung der Theerfarbenindustrie so wichtig gewordene Ueberführung des Benzols in Anilin kennen lehrte, hat er erst später als Professor an der Universität Kasan ausgeführt. Beide, sowie der neben ihnen stehende Norweger Thaulow, der über Zuckersäure arbeitete, sind gleichfalls längst dahingeschieden.
Am zahlreichsten vertreten in Giessen war Grossbritannien. Von den mit uns Studirenden haben gleichfalls viele nachmals hervor- ragende Stellungen eingenommen: Thomas Anderson entdeckte später, nachdem er Professor in Glasgow geworden war, das heute so interessante Pyridin. John Stenhouse, der sich durch Unter- suchungen auf allen Gebieten der organischen Chemie einen bleibenden Namen gesichert hat, war zuletzt Professor am Bartholomäus-Hospital in London; John Blyth, bekannt durch seine Arbeiten über das Coniin, bekleidete viele Jahre lang das Lehramt der Chemie an der irischen Universität Cork; Henry Bence Jones war mehr Physiologe als Chemiker, er wurde Kliniker am St. Georg-Hospital und gehörte zu den Hervorragendsten unter den Aerzten Londons; James Sheridan Muspratt endlich, dessen grosses technologisches Werk noch heute, selbst in Deutschland, neue Auflagen erlebt, gründete eine chemische Schule in seiner Vaterstadt Liverpool. Von den Genannten wandelt keiner mehr unter den Lebenden. Allein wir begrüssen doch auch noch viele der lieben Jugendgefährten aus der Giessener Zeit, in ungeminderter Kraft dem Dienste der Wissenschaft und des Lebens sich widmend. Sir Lyon Playfair war viele Jahre hindurch Ver- treter der Universität Edinburg im englischen Parlamente, dem er auch heute noch, wenn auch für einen anderen Wahlkreis, als ein- flussreiches Mitglied angehört. Edward Schunck findet, in- mitten der grossen Ansprüche, welche ein umfangreicher industrieller Betrieb an ihn stellt, noch immer Zeit zur chemischen Forschung; und wenn Alexander Williamson noch jüngst erst für das Lehramt das erwünschte Otium cum dignitate eingetauscht hat, so ist er der Wissenschaft deshalb nicht untreu geworden. Unverändert endlich hat sich Will's treuester Jugendfreund erhalten, John Lloyd Bullock, ein Greis von achtzig Jahren, der heute seinen pharmaceutischen Auf- gaben mit demselben Eifer und derselben Frische nachgeht, wie vor fünfzig Jahren.
Aber auch der ferne Westen hatte sein Contingent gestellt. Der Mexikaner Vicente Ortigosa, der mit der Analyse des Nicotins


