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Vor hundert Jahren : die Flucht des Gießener Universitäts-Archives vor den Franzosen 1796 / von Dr. O. Buchner
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Hier iſt nicht der Platz, um die Kriegsereigniſſe der da⸗ maligen Tage nochmals im Zuſammenhang aufzuklären. Unſer Freund Abel hat natürlich von all der Schießerei hinüber und herüber kein Verſtändniß gehabt, das war auch nicht nöthig. Aber für die Angſt und Sorge um ſich und die Seinen und um ſeine Mitbürger hat er klares Verſtändniß gehabt. In der Kriegsgeſchichte von 1796 iſt aber klar ent⸗ wickelt, wie die Kaiſerlichen den Franzoſen gegenüber manöv⸗ rirten. Wieder wurde unſere Stadt durch hereinfliegende Haubitzgranaten geängſtigt, ſchließlich aber durch das Vor⸗ dringen des Erzherzogs Karl die Stadt raſch von Freund und Feind befreit.

Erſt vier Wochen nach ihrem Abzug hatte die Geſchichte von der Flucht des Archivs und der Rückkehr desſelben ein eigenthümliches Nachſpiel. Es handelte ſich dabei in langen Verhandlungen um die Koſten, welche dadurch veranlaßt worden waren. Sollen dem Secretär Oßwald für ſeine beſonderen Bemühungen Taggelder oder eine Belohnung bewilligt werden und wieviel,maßen bey dieſer Reiſe ganz und gar kein Vergnügen, vielmehr ſolche bey meinem kränk⸗ lichen Zuſtand eine wahre Strapaze für mich war, und die ich einzig und allein in der Abſicht übernahm, damit bey der damaligen Lage der Dinge zu der Univerſität Zufriedenheit alles in Ordnung beſorgt werden mögte.

Nach längerer ſchriftlicher Verhandlung im Senat, ob hier Diäten oder eine Belohnung oder nichts an Oßwald zu zahlen ſei, wurde dieſer aufgefordert, beſtimmte Vorſchläge zu machen. Daraufhin beantragte dieſer für die ſechstägige Reiſe nach Hersfeld und zurück für ſich 18 Gulden und für ſeinen Gehülfen, den Gärtner Sauer, 6 Gulden Taglohn.

Abermals wurde im Senat dieſe große Frage ausführ⸗ lich und gründlich erwogen und ſchriftlich abgeſtimmt. Das Ergebniß war, daß dem Secretär Oßwald 18 fl. alswohl⸗ verdientes Douceur, dem Gärtner Sauer aber 5 fl. zuge⸗ billigt wurden.

Noch einmal trat an die Hochſchule die wichtige Frage