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Vor hundert Jahren : die Flucht des Gießener Universitäts-Archives vor den Franzosen 1796 / von Dr. O. Buchner
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heran, wie während der Kriegsereigniſſe zu Beginn unſeres Jahrhunderts die vorräthigen Gelder der Unnverſitätskaſſe gegen Plünderung zu ſichern ſeien. Es war nach der Schlacht bei Leipzig.

Am 26. October 1813 ſchrieb der unterdeß zum Ober⸗ Oeconomus aufgerückte Herr Oßwald an den Senat, die Koſacken ſeien bis Kaſſel vorgedrungen und die Gefahr liege nahe, daß ſie auch nach Gießen kämen. Im akademiſchen Fiskus, der Wittwenkaſſe, dem v. Senkenbergiſchen Fonds, in der Bibliothekkaſſe und dem philologiſchen Seminarium lägen aber baar über 6000 fl. Er erklärt ſich bereit, das Geld in ſeinem Hauſe zu verſtecken und es ſo dem erſten Anlauf zu entziehen; auch wolle er einige Vertraute mit den Verſtecksorten bekannt machen.

Es geſchah ſo. Aber erſt viele Jahre, nachdem der Schatz wieder aus ſeinem Verſteck gehoben war, erfuhr man, daß derſelbe in den Brunnen des jetzt Köhlinger'ſchen Hauſes in der Wetzſteingaſſe verſenkt und dann nach Abzug der Koſacken wieder gehoben worden ſei. Gegenüber wohnte der auch dem jetzt lebenden Geſchlecht noch wohl erinnerliche Univerſitätsdiener Zimmermann, der als uralter Mann zwar durch der Jahre Laſt gebückt, aber doch raſchen Schrittes die Botengänge für die Hochſchule innerhalb der Stadt beſorgte, aber auch ſchon in der Koſackenzeit ſich für dieſelbe verdient machte. Er war ſein ganzes langes Leben hindurch ein Ehrenmann und ſo wird er ſich auch redlich bemüht haben, ein ſicheres Verſteck für die mit Gold⸗ und Silbergeld ge⸗ füllten Beutel und die Univerſitäts⸗Kleinodien an Pokalen, Sceptern u. a. zu finden und zu bewahren. Dieſe Gegend der Stadt, damals am äußerſten Rand gelegen und nur durch enge Gäßchen zugänglich, iſt jetzt durch den Durchbruch nach der Nordanlage vollſtändig verändert und die alten Stellen gar nicht wieder aufzufinden.

Wir haben in dieſem Jahre ſchon einmal Erinnerungen an die Franzoſenzeit aufs neue aufleben laſſen; das waren die verſchiedenen Feſttage nach 25 Jahren des letzten ruhm⸗