Ohne Zweifel wird bei der Feier des dreihundertjährigen Beſtehens der Hochſchule Gießen 1907 von berufener Seite eine ausführliche Geſchichte derſelben erſcheinen. Bauſteine dazu auch jetzt ſchon zuſammenzutragen und auf mancherlei Material hinzuweiſen, was in unanſehnlichen Actenbündeln vergraben iſt, kann vielleicht erwünſcht ſein.
Es iſt bekannt, daß die Feſtung Gießen dreimal von den Franzoſen beſetzt war:
1) während des ſiebenjährigen Krieges vom 16. Novem⸗
ber 1758 bis zum Schluſſe des Krieges 1763;
2) 1796 vom 8. Juli bis 11. September;
3) vom 21. April 1797 bis zum März 1799.
Jetzt, gerade nach hundert Jahren hat die zweite Be⸗ ſetzung ganz beſonderes Intereſſe für uns und iſt durch Wiederdruck der„von einem Augenzeugen“ vor hundert Jahren erſchienenen„Kriegsgeſchichte der Stadt und Veſtung Gießen und deren umliegenden Gegenden“ in verdienſtvoller Weiſe auf die Geſchehniſſe der damaligen ſchweren Zeit aufs neue hingewieſen worden. Originalſchilderungen aus damaliger Zeit ſind ſelten. Wer hat Muße gehabt, ſeine Beobachtungen und Erlebniſſe aufzuſchreiben? Und doch hat es ſolche ſon— derbare Käuze gegeben. Einer derſelben war der Lehrer der franzöſiſchen Sprache Fr. Thom. Chaſtel an der Hoch⸗ ſchule in Gießen. Sein Tagebuch von 1796 befindet ſich jetzt in der Hofbibliothek zu Darmſtadt. Dr. E. Heuſer hat das Verdienſt, daſſelbe neu ausgegraben und in Bd. 5 der Mittheilungen des Oberheſſiſchen Geſchichtsvereins mit


