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Vor hundert Jahren : die Flucht des Gießener Universitäts-Archives vor den Franzosen 1796 / von Dr. O. Buchner
Entstehung
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die Univerſitätspapiere und übrige Sachen in Empfang zu nehmen und ſolche ſämmtlich wieder anhero zurückzubringen.

So machte ſich dann Oßwald mit dem Gärtner Sauer auf den Weg nach Hersfeld und brachte nach ſechs Tagen die Kiſten mit Papieren wieder nach Gießen zurück; die Franzoſen aber hielten die Stadt noch bis zum 11. Septem⸗ ber beſetzt. Die kaiſerlichen Vorpoſten kamen in größeren Maſſen, die Franzoſen verließen die Stadt, beſchoſſen ſie aber von der Pulvermühle aus. An verſchiedenen Stellen brach Feuer aus die arme Stadt war im höchſten Grade bedroht.

In Folge eines Waffenſtillſtandes verlief die Nacht vom 11. zum 12. September ſtill, aber auf dem Lande war kein Waffenſtillſtand. Abel von Krofdorf erzählt darüber in ſeinem Hausbuch:

Den 9. September kamen die Franzoſen wieder, ging das erſte Wetter erſt von neuem an. Obigen Abend kamen an 20 Mann Infanterie, verlangten unſelig viel Brot, dieſes mußte in Eil geliefert werden, auch etliche Karolin dabei zur Abkaufung unmöglich zu Liefernden dazu gegeben werden.

Den 10. September kamen die Schaſchier(Chaſſeurs), verlangten Brot, Fourage und 18 Stück Hämmel, welche auch in Eil geſchafft werden mußten; auch 3 Karolin mußten dem Unteroffizier, um noch gnädig zu handeln, gegeben wer⸗ den, ſonſten ſollte der Ort gleich in Brand geſteckt werden.

Den 11. September war die ganze Gegend hier mit Franzoſen beſetzt und ging das Plündern auf das Aller⸗ grauſamſte Tag und Nacht mit Lichter und Fackeln, und währte von Sonntag bis den künftigen Sonnabend.

Den 17. September in Stille fortgezogen, denn dieſe Woche war noch drückend, dann immer ging das Plündern, kein Brot war in den erſten zwei Tagen mehr da, wer es nicht zum allerbeſten verſteckt hatte; es mußten gar viel Leut ſich mit Gwetſchen und Kartoffeln aufbringen, alle Schuh⸗ waaren ausgezogen, keine Montur, was nicht verflickt war, war alles geſtohlen. Krofdorf mußte in einem Tag 30 Stück