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In den Aufzeichnungen des Bauers Abel daſelbſt heißt es darüber, daß die Franzoſen„die Leute gleich plünderten, mißhandelten, in die Häuſer gingen und mit Gewalt und Drohungen Geld von ihnen erpreßten und dabei bis in die Nacht fortplünderten, auch viel Weibsleut geſchändet und den Morgen gleich wieder anfingen zu plündern an Montirung, Eßwaaren, Geld und Schuhe mit Gewalt wegnahmen, Hühner und Gäns, alles fortſchleppten. Alles dies ging noch bei etlichen Leuten leidlich, bis gegen 4 Uhr kamen etliche tauſend Mann von der Hardt, welchen Gleiberg und Krofdorf zu plündern preisgegeben worden.
Die kamen wie eine rechte Räuberbande in voller Eil gezogen und überſchwemmten alle Häuſer von unten bis oben und nahmen alles was noch zu finden war. Als ſie nun mit allerlei Effecten beladen, nahm noch jeder eine Ladung Stroh und zogen dann wieder in ihr Lager auf der Hardt. Den Morgen als den 9. Juli waren die auf der Hardt alle fort, den Kaiſerlichen nach über Gießen und verfolgten die Kaiſerlichen bis an die Donau.
In Gießen und Wetzlar blieb franzöſiſche Beſatzung mit Commandant und Commiſſär, welche ſtarke Contributionen ausſchrieben“.
Es iſt wünſchenswerth, daß derartige alte Geſchichten auch jetzt nach dem Krieg 1870 nicht vergeſſen werden, daß namentlich unſere Jugend weiß, wie es ihren Großeltern in der Franzoſenzeit ergangen iſt.
Natürlich verbreitete ſich die Schreckenskunde, daß Gießen von den Franzoſen beſetzt ſei, mit Blitzesſchnelle durch die ganze Provinz. Schon vorher begann die Flucht der im offenen Lande wohnenden Frauen und Mädchen aufs neue. Geld und Geldeswerth wurde ebenfalls geflüchtet oder mög⸗ lichſt ſicher verſteckt. Schon am 5. Juli wurde der Regierungs⸗ rath und Profeſſor Muſäus vom Rector nach Grünberg geſchickt, um ſich über den Zuſtand des Oekonomats und der Gefälle zu unterrichten. Da die Gerüchte von der Annäherung der Franzoſen immer bedenklicher lauteten, reiſte er am


