er hatte etwa 1200 fl. Geldvorrath und fürchtete, dieſe könnten ihm von den Franzoſen, wenn ſie auch nach Grün⸗ berg kämen, abgenommen werden. Er bat daher Oßwald brieflich um fingirte Quittungen,„ſo könnte ich doch ſagen, daß das Geld fort iſt“. Meine Nichte und viele Jungfern beſtehn darauf, daß ſie flüchten wollen, aber wohin?“
In Gießen war kein Fuhrwerk für den Transport nach Grünberg zu haben; Hoffmann ſchickte daher einen mit zwei Pferden beſpannten Wagen und einen anderen mit zwei Paar Ochſen von Grünberg aus nach Gießen.
Wirklich ging die Sendung am Morgen des 8. Juni unter Bedeckung von zwei Jägern und mit Begleitung durch den Fruchtmeſſer Weller von Gießen nach Grünberg ab.
Aber auch da war an die Möglichkeit einer weiter nöthigen Flucht zu denken. Der unermüdliche Oßwald wandte ſich daher ſchon am 7. Juni nach Alsfeld an den Univerſitäts⸗Oekonomen Vollhard und ſetzte ihn von der Annäherung der Franzoſen in Kenntniß und von der großen Beunruhigung, welche dadurch über die ganze Gegend gekom⸗ men ſei. Vor drei Tagen habe das Flüchten ſeinen Anfang genommen und dauere noch ununterbrochen fort. Nicht nur Vornehme und Reiche, ſondern auch Bauernfamilien ſuchen einen ſicheren Ort. Eme Menge junger Bauersmädchen, die alle um ihre Sicherheit beſorgt ſeien, wären in Gießen an⸗ gelangt. Obgleich ſeit geſtern etwas beruhigendere Nachrichten eingelangt ſeien, ſo wäre doch der wichtigſte Theil des Uni⸗ verſitäts⸗Archivs nach Grünberg an den Oekonomen Hoff⸗ mann abgegangen, mit der Anweiſung, die Kiſten bei An⸗ näherung der Gefahr nach Alsfeld weiterzuſenden. Er gebe vorläufig davon Nachricht mit der Bitte, die Sendung ihrer Wichtigkeit und ihres großen Werthes wegen in ſorgfältige Verwahrung zu nehmen. Sollte aber das Unglück ſo weit über uns verhängt werden, daß auch Alsfeld mit einem feindlichen Beſuch bedacht würde, ſo möge er die Sendung ins neutrale Caſſel'ſche nach Ziegenhain oder Hersfeld befördern.


