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Vor hundert Jahren : die Flucht des Gießener Universitäts-Archives vor den Franzosen 1796 / von Dr. O. Buchner
Entstehung
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wärtig nach Caſſel verreiſt) ſtürzen zu laſſen, und dies letztere möchte auch nothwendig bei der Univerſitäts⸗Vogtei ſein.

Dieſer Brief iſt ein Beleg für den paniſchen Schrecken, den die ganze Bevölkerung beim Herannahen der Franzoſen erfaßt hatte. Waren doch auch die vorausgeeilten Schreckens⸗ berichte dazu angethan, nicht die Beſitzenden allein das Schlimmſte von den Franzoſen befürchten zu laſſen.

Nach Abel's Hausbuch kamen die erſten Kaiſerlichen erſt am 5. Juli auf der Retirade von der Sieg nach Krof⸗ dorf. Das Fußvolk blieb eine Nacht daſelbſt, die Reiterei aber blieb als Vorpoſten bis zum 7. Juli hier ſtehn; da kamen von Rodheim her die Franzoſen, vor denen die Kaiſer⸗ lichen nach Gießen abzogen. Doch wurde dieſe Feſtung erſt am 11. Juni von den Kaiſerlichen beſetzt.

Wie die Franzoſen nach Krofdorf kamen, fingen ſie gleich damit an, die Leute zu plündern und zu mißhandeln. Sie drangen in die Häuſer ein und erpreßten mit Drohungen und Gewalt von den Leuten Geld und plünderten bis in die Nacht. Viele Weibsleute wurden vergewaltigt. Gleich den folgenden Morgen wurde die Plünderung und der Raub an Kleidern, Eßwaaren, Geld und Schuhwerk fortgeſetzt, alles mit Gewalt genommen und auch Hühner und Gänſe fort⸗ geſchleppt. Alles dieſes ging noch bei etlichen Leuten leidlich, bis gegen 4 Uhr. Da kamen etliche tauſend Mann von der Hardt, welchen Gleiberg und Krofdorf zu plündern preis⸗ gegeben worden.

Aber ſchon lange vorher war der Senat der Hochſchule nicht unthätig. Es wurde ſofort beſchloſſen, die Archivalien und Werthpapiere in eine Kiſte zu packen und nach Grünberg zu ſchicken. Der Oberſtlieutenant v. Schäffer ſtellte zwei Jäger zur Verfügung, welche die Kiſte begleiten und bei derſelben als Wache in Grünberg bleiben ſollten. Der Univerſitäts⸗Oekonomus Hoffmann daſelbſt war ſchon an demſelben Tage brieflich davon benachrichtigt und aufgefordert worden, für ſichere Verwahrung der Werthſendung zu ſorgen.

Aber dieſer war in derſelben Verlegenheit wie Oßwald;