Quartals⸗ und Hausbeſoldungen im voraus bezahlt und der Reſt der Kaſſe dann in einen ſicheren Verſteck gebracht wer⸗ den, doch verzog ſich die drohende Gefahr und es war nicht nöthig, einen weiteren Beſchluß zu faſſen.
Anders war es Anfang Juni 1796. Da war Gießen nicht mehr durch eine Demarkationslinie geſchützt und de feindliche franzöſiſche Armee näherte ſich in bedenklicher Weiſe unſerer Gegend. Freilich waren die Mittheilungen über die Zeitereigniſſe ebenſo langſam wie unzuverläſſig und beſtanden vorwiegend auf mündlichen Ueberlieferungen, aber gerade dadurch wurden auch kleinere Ereigniſſe zu großen aufgebauſcht.
Als am 5. Juni 1796 die erſten Nachrichten von dem Anrücken der Franzoſen nach Gießen kamen, wandte ſich ſofort der vorſichtige Univ.⸗Secretär Oßwald mit einem „unterthänigſten Bericht“ an den Rector Müller der Hoch⸗ ſchule, in welchem es heißt:
„Nach einer hier umgehenden und von Wetzlar hierher gekommen ſein ſollenden Nachricht ſollen dieſſeits des Rheins die Kaiſerlichen das Unglück haben, ſich retiriren zu müſſen, und beiderſeitige Armeen nur noch 11 Stunden von hier ent⸗ fernt ſein. Wieweit die Sage gegründet iſt, iſt mir unbe⸗ kannt. Aber da der Fall, bei fernerem Glück der Franzoſen einen Zuſpruch von ihnen zu bekommen um ſo mehr jetzt möglich iſt, als Gießen jetzt außer der Demarkationslinie liegt, ſo räth die Vorſicht an, unterthänig anzufragen,
1) ob, um den Geldvorrath zu vermindern, ich irgend die Beſoldung des dritten Quartals ſchon jetzt zum voraus bezahlen ſoll, und
2) zum Einpacken und Transport der Documente, der Obligationen, des Geldes ec. einſtweilen Anſtalten getroffen werden ſollen.
Und um bei widrigen Ereigniſſen auch allem künftigen Zweifel und entſtehen könnenden Fragen zuvor zu kommen, erkläre ich mich mit zu meiner Sicherheit bereit, den Geld⸗ vorrath vorzulegen und den Fruchtvorrath in Gegenwart eines der Herren Profeſſoren(denn der Controlleur iſt gegen⸗


