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Aus dem Archiv der Universität Gießen : I. Zur Geschichte des alten Marburg-Gießener Universitäts-Stipendien / von Oberbibliothekar Dr. H. Haupt
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Auszüge aus den in den Sitzungen gehaltenen Vorträgen. 123

Auszüge aus den in den Sitzungen gehaltenen Vorträgen. 1) Die Ciſtercienſer in Oberheſſen. Vortrag von Herrn cand. hist. C. Ebel.(28. Januar 1892.)

Der Ciſtercienſerorden verdankt ſeine Entſtehung der am Ende des XI. Jahrhunderts bei den Benedictinern eingeriſſenen Sitten⸗ verderbniß. Der Abt Robert von St. Michel Tonnére hatte im Jahre 1098 mit zwanzig Gefährten in dem ſtillen Waldthal von Citeaux(bei Dijon, Departement Côte d'or, Lat.: Cistercium) ein Kloſter gegründet, um dort nach der ſtrengen Regel Benedicts ein Leben der Armuth und Entſagung zu führen. Durch Bernhard von Chatillon, den nachmaligen Abt von Clairvaux, wurde die Blüthe der neuen Congregation begründet; Tochterklöſter wurden in großer Anzahl beſiedelt und ſo war mit einem Schlage ein Orden ent ſtanden, der ſich nach ſeinem Stammkloſter der Ciſtercienſerorden nannte und ſich bald über alle Culturländer des Abendlandes ver⸗ breitete. Eine vorzügliche Verfaſſung ſorgte für dauernde innere Feſtigkeit. Männer wie Bernhard von Clairvaux, Otto von Freiſingen, Cäſarius von Heiſterbach legen durch ihre Zugehörigkeit zum Orden auch von deſſen geiſtiger Tüchtigkeit beredtes Zeugniß ab.

Seinen Einzug in Oberheſſen hielt der Ciſtercienſerorden im Jahre 1174, als Cuno von Münzenberg das von ſeinem Vater Conrad von Hagen und Arnsburg und deſſen Gattin Ludgardis 1151 geſtiftete Benedictinerkloſter Altenburg(ehemaliges Römercaſtell, eine Viertelſtunde ſüdweſtlich von Arnsburg) aufhob und an deſſen Stelle in ſeinem Schloſſe Arnsburg ein Ciſtercienſerkloſter einrichtete. Der Abt von Eberbach im Rheingau entſandte den Convent mit Ruthard an der Spitze. Der Convent vermochte ſich jedoch nicht auf die Dauer in Arnsburg zu halten, vielleicht weil die Wohnungs⸗ verhältniſſe ungünſtige waren und der Zuwachs an Conventualen zu wünſchen übrig ließ. Er ging nach Eberbach zurück, um erſt 1197 wieder in Arnsburg unter ſeinem Abt Mengot, dem bald der that⸗ kräftige Meffrid folgte, aufzutreten. Meffrid legte den Grund zu