durch das Gewölk, als der Herr Profeſſor eben abtrat.„Post nubila Phoebus!“ jubelte eine Stimme, und die allerdings nicht ſehr zahlreiche Zuhörerſchaft ſtimmte lachend ein. Auf das Nebel'ſche Colleg folgte nämlich unmittelbar eines des ſehr be⸗ liebten Profeſſors Phöbus.
Doch genug der Anekdoten. Ich wollte ja weniger von den Univerſitätslichtern des alten Gießen im Allgemeinen, als ven zwei der damals jüngſten Cathederzierden, Vogt und Carriere, reden. Letzterer hatte ſich ſchon einige Semeſter vor 1847 da⸗ ſelbſt als Privatdozent habilitirt und las über Philoſophie und Aeſthetik, auch hielt er im Winterſemeſter zwei Mal wöchentlich einen öffentlichen Vortrag über Goethe's„Fauſt“. Die erſtge⸗ nannten Vorleſungen fanden gewöhnlich nur ſpärliche Hörer, letzterer aber erregte auch außerhalb ſtudentiſcher Kreiſe lebhaftes Intereſſe und mußte daher in der großen Aula abgehalten werden. Als Sohn wohlhabender Eltern war Carriere nicht auf Collegiengelder angewieſen, gleichwohl wurmte es ihn doch, daß ſeine bezahlten Collegien nicht beſſer ziehen wollten, zumal die Vogt's immer ſtark beſetzt waren. Daß aber ſeine öffentlichen Fauſt⸗-Vorleſungen ſoviel Anklang fanden und auch von Damen gern beſucht wurden, ſchmeichelte ihm natürlich ſehr. Das Ewig⸗Weibliche zog ihn überhaupt mächtig an, er war ein enthuſiaſtiſcher Frauen⸗Verehrer. Die Liebes⸗ ſcenen in„Fauſt“ verſetzten ihn in die höchſte Begeiſterung, über ſie erging er ſich in ſchwungvollen Kommenkaren, und Gretchen war ſein Ideal, bei deſſen Schilderung er verklärten Blickes gen Himmel ſchaute. Sehr ſchön verſtand er darzulegen, wie die Gretchen⸗Epiſode ein Spiegel des eigenen Liebeslebens des Dich⸗ ters ſei, das dieſer ſo geſchickt mit der den Anfang der Dichtung bildenden alten Fauſtſage, die dann im zweiten Theil mit dem Erſcheinen der Helena wieder aufgenommen wird, zu verſchmel⸗ zen verſtanden. Es war nicht zu verwundern, daß dieſe Fauſt⸗ Vorleſungen große Anziehungskraft übten, denn der Vortragende war mit ganzer Seele bei ſeinem Stoff. Obwohl mit der Zunge ein klein wenig anſtoßend und etwas ſüßlich ſingend in ſeinem Ton, war er doch ein angenehmer, feſſelnder Redner; wie ein mächtiger Quell ſtrömten die Worte von ſeinen Lippen, über⸗ ſtürzten ſich aber auch zuweilen, ſo daß er ganz außer Athem kam; bilderreich, blühend und ſchwungvoll, von Citaten ſtrotzend, war ſeine Sprache, wenn auch nicht immer logiſch gut geordnet. Vogt hielt geologiſche und zoologiſche Vorträge. Erſtere waren peniger beſucht, vielleicht weil der ordentliche Profeſſor v. Klpſtein, mit dem im Examen gerechnet werden mußte, die gleiche Wiſſenſchaft behandelte. Großen Anklang dagegen fanden ſeine zoologiſchen Vorträge, die nicht nur vog


