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Bibliotheca Academica et Senkenbergiana : ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule Gießen. / von Dr. O. Buchner
Entstehung
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ſtehn ſich bemühte. Und ſo pflegte er als treuer Sohn ſeine Mutter, die endlich 1740 ſtarb.

Nachdem er 1737 ſeinen mediciniſchen Doctor in Göt⸗ tingen erworben hatte, wurde Senckenberg 1739 Leibarzt des Landgrafen von Heſſen⸗Homburg; doch konnte er bei ſeinem Freimuth das Hofleben nicht vertragen und kehrte 1739 dauernd nach Frankfurt zurück.

Johann Chriſtian Senckenberg war dreimal ver⸗ heiratet, alle Ehen währten nur kurz, die zwei letzten waren un⸗ glücklich, namentlich die letzte voll Zank und Streit, ſo daß er ſich von ſeiner Frau trennte und in ſein Haus zurückzog. Alle Kinder ſtarben in früher Jugend. Senckenberg war ein hochgeſchätzter vielbeſchäftigter Arzt, der zwiſchen Armen und Reichen keinen Unterſchied machte und deshalb allgemein beliebt und hochgeachtet war. Er war Land⸗ und Stadtphy⸗ ſikus, Leibarzt und Hofrath des Landgrafen Wilhelm VIII. von Caſſel, behandelte auch neben anderen Aerzten den Kaiſer Karl VII., als dieſer in Frankfurt war. Er hatte alſo Ge⸗ legenheit, ein bedeutendes Vermögen zu erwerben.

Nach dem Tode ſeiner dritten Frau lebte er nur noch ſeiner ärztlichen Thätigkeit und der Ausführung ſeiner groß⸗ artigen Pläne zur Gründung der berühmten Anſtalt, die noch jetzt in Frankfurt unter ſeinem Namen blüht. Es iſt das Senckenbergiſche Stift.

Die Stiftung zerfällt in zwei Theile, eine wiſſenſchaft⸗ liche Abtheilung, Collegium medicum mit ¾¼ der Einkünfte, einem Anatomiegebäude, einem chemiſchen Laboratorium, einem botaniſchen Garten mit Gewächshaus, aus Sammlungen für Naturwiſſenſchaften, einer Bibliothek. Die zweite Abtheilung iſt mit ½³ der Einkünfte der ausſührenden Heilkunde gewidmet; dahin gehört ein Krankenhaus. Auch waren Stipendien für Hochſchulen, wiſſenſchaftliche Reiſen zur Ausbildung von Aerzten, Chirurgen, Apothekern und Hebammen, ſowie Unter⸗ ſtützungen für alte Aerzte, Wittwen und Waiſen von Aerzten vorgeſehen.