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Bibliotheca Academica et Senkenbergiana : ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule Gießen. / von Dr. O. Buchner
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63.395 fl. 23 kr. oder im Durchſchnitt jährlich 2641 fl. 29 kr.

Von dieſer ſehr beträchtlichen Einnahme hätten nach der Beſtimmung des Teſtaments jährlich 250 fl., alſo in 24 Jahren 6000 fl., für Büchereinkäufe verwendet werden müſſen, in Wirklichkeit aber wurden nur 4637 fl. 11 kr. oder durch⸗ ſchnittlich im Jahr 193 fl. und wenige Kreuzer, alſo 7,3% der Einnahme in Büchern angelegt. Der Buchbinder erhielt in dieſen 24 Jahren 263 fl. 12 kr. oder jährlich nicht ganz 11 fl. oder 0,4% der Jahreseinnahme. In 8 von den 24 Jahren wurden überhaupt keine Bücher gekauft, und in 19 von den 24 Jahren kein Kreuzer Buchbinderlohn bezahlt, was um ſo unbegreiflicher iſt, als damals noch die meiſten Bücher roh, alſo nicht einmal geheftet in den Buchhandel gebracht wurden.

Der Name Senckenberg wird verſchieden geſchrieben. Die gewöhnliche und richtige, weil von den meiſten Familien⸗ gliedern benutzte Schreibweiſe iſt Senckenberg, an unſerer Gießener Univerſitätsbibliothek iſt aber der Name nur mit k geſchrieben.

Es liegt nahe, die Frage nach der Herkunft der Familie Senckenberg aufzuwerfen, namentlich aber die zweite, in welcher Verbindung unſer Renatus Karl von Sencken⸗ berg, der Wohlthäter der Hochſchule und namentlich der Univerſitäts⸗Bibliothek Gießen, mit dem Gründer des be⸗ rühmten Frankfurter Senckenbergiſchen Stifts ſteht. Wir begegnen bei dieſen Unterſuchungen den eigenthümlichſten und entgegengeſetzteſten Charakteren.

Der erſte in der Geſchichte erwähnte Senckenberg war der Apotheker Johann Senckenberg, der wahrſcheinlich in der erſten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Troppau inOeſtr. Schleſien nach der freien Reichsſtadt Friedberg in der Wetterau überzog, daſelbſt großes Anſehen erwarb und 1674 als älteſter Bürgermeiſter ſtarb. Von ſeinen beiden Söhnen blieb der ältere mit ſeinen Kindern und Enkeln in Friedberg und verſchiedene derſelben folgten dem Vater und Großvater