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erſt die ganzen Univerſitäten auf ihre Wanderluſt. Die Unterſchiede ſind enorm. Den größten Wechſel mit je 34 Procent haben Roſtock, Bern und Gießen, den geringſten München mit 16, Leipzig mit 12, und Czernowitz mit 9 Procent. Neben dieſen Extremen betrachten wir den Wechſel in den auf die obige Art gemachten 4 Gruppen ſehr häufig, ziemlich häufig, ziemlich ſelten und ſehr ſelten. Sehr häufig iſt unter 30 Hochſchulen der Wechſel an 10 Anſtalten, ziemlich häufig an 6, ziemlich ſelten au 9 und ſehr ſelten an 5. Zu den Anſtalten mit ſehr häufigem Wechſel gehören außer den drei ſchon genannten Roſtock, Bern und Gießen noch die weiteren 4 ſehr kleinen Univerſitäten Baſel, Kiel, Zürich, Freiburg; aber auch die ziemlich großen Univerſitäten Dorpat, Heidelberg, Tübingen. Daß der Profeſſor die ſehr kleinen Univerſitäten gern und ſchnell verläßt, bedarf keiner Erklärung, daß ferner Dorpat ſchnell wechſelt, liegt zum Theil darin, daß die vielen aus Deutſchland dahin berufenen Profeſſoren meiſt, wenn ſie können, ſchnell nach Deutſchland zurückkehren, theils in den Penſionsver⸗ hältniſſen. Darum fällt es auch gewiß nicht auf, daß alle drei Schweizeruniverſitäten, welche man geradezu die Schwungbretter der deutſchen Profeſſoren nennt, als klein und als im Ausland gelegen, dem ſehr ſchnellen Wechſel unterthan ſind. Nur Heidelberg und Tübingen wird man mit Verwun⸗ derung unter dieſen Hochſchulen finden, und hier glaube ich allerdings den Grund in der noch nicht genügenden Statiſtik ſuchen zu müſſen; eine längere Beobachtungsreihe wird Heidelberg und Tübingen wohl eine etwas andere Stelle einräumen, ebenſo dürfte es umgekehrt auffallen, unter den Hochſchulen mit ſeltenem Wechſel, außer Leipzig, München und Czernowitz nur noch Halle und Marburg zu finden, während Berlin und Göttingen, doch gewiß geſuchte Univerſitäten, nur zu den mit ziemlich ſeltenem Wechſel, alſo nur mit ziemlich großer Anziehungskraft gehören ſollen, eine genauere Statiſtik wird vielleicht die Stellung von Göttingen und Berlin mit der von Halle und Marburg vertauſchen. Daß man München und Leipzig nicht gern wieder verläßt, iſt erklärlich genug, daß man aber Czernowitz weit hinten faſt in der Türkei in dieſer Geſellſchaft findet, ſogar mit dem allergeringſten Wechſel, muß billig befremden, die Reize dieſer Hochſchule können doch ſchwerlich ſo groß ſein, daß man ſie mit keiner andern vertauſchen möchte. Die Gründe für dieſe Stellung von Czerno⸗ witz dürften folgende ſein: es wurden faſt nur Landeskinder dort angeſtellt, zweitens haben wir hier erſt einen einmaligen Wechſel beobachten können, endlich ſind an dieſer erſt 1875 eröffneten Univerſität ſeiner Zeit faſt lauter junge Profeſſoren angeſtellt worden, ſo daß auch der Abgang durch Tod noch keine große Rolle ſpielt.
Dagegen muß Leipzig jetzt wohl als das Ideal der deutſchen Univerſitäten gelten, denn unter allen 30 Hochſchulen iſt Leipzig die einzige, die nicht nur ins Geſammt, ſondern auch in jeder einzelnen Facultät einen„ſehr ſeltenen“ Wechſel hat.
Wir ſchreiten fort zu den Beziehungen zwiſchen Profeſſorenwechſel und Profeſſorenalter.
Daß ein Zuſammenhang zwiſchen Wechſel und Alter ſtattfindet, indem die älteſten Pro⸗ feſſoren durchſchnittlich an denjenigen Univerſitäten ſich finden müſſen, welche man freiwillig nicht leicht wieder verläßt, braucht allerdings mit Zahlen nicht bewieſen zu werden, wohl aber bedürfen wir wieder der Zahlen um zu zeigen, wie eng der Zuſammenhang zwiſchen Wechſel und Alter iſt.


