Druckschrift 
Über Alter und Wechsel der Professoren an den deutschen Universitäten : akademische Festrede zur Feier des Stiftungsfestes der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität am 1. Juli 1881 / gehalten von dem derzeitigen Rektor Dr. Etienne Laspeyres, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften
Entstehung
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des Lebens eines jeden Profeſſors ermitteln, an wie viel Orten derſelbe als Profeſſor gewirkt hat, wie viel Jahre auf jede Univerſität fallen, und Anderes. Vorläufig iſt uns dieſer Weg noch ver⸗ ſchloſſen, doch ſteht uns ein anderer offen, der nicht an den einzelnen Profeſſor, ſondern an den einzelnen Ort anknüpft. Unſere Perſonalliſten aller Profeſſoren jeder Univerſität aus drei verſchie⸗ denen Zeiten 187%¾⁄, 1875⁄6, 188% erlauben uns zu forſchen, wie viel Profeſſoren, welche 187% an einer Univerſität als Ordinarien wirkten, waren 1875 ⁄6, alſo nach 5 Jahren nicht mehr daſelbſt im Amt, ſondern abgegangen durch Berufung an eine andere Univerſität, durch Uebergang in eine andere Laufbahn, durch Penſionirung, durch Tod. Dieſelbe Frage konnte 5 Jahre ſpäter wieder geſtellt werden, wie viele der Profeſſoren, welche irgendwo 1875⁄6 wirkten, lehrten 188 ¾ daſelbſt nicht mehr. Die Zahl der in jedem Luſtrum abgegangenen zum Beſtande des Anfangsjahres in Procente umgerechnet giebt den fünfjährigen Wechſel.

Dieſe zweite Frage im Sinne des eben defiinirten Wechſels haben wir auch, da das Material dafür rechtzeitig uns ſchon vorlag, erweitert auf die drei Schweizer Univerſitäten deutſcher Zunge Baſel, Bern und Zürich, auf die fünf öſterreichiſchen deutſcher Zunge, Wien, Prag, Inns⸗ bruck, Graz und Czernowitz, endlich auf die eine Univerſität Rußlands mit deutſcher Lehrſprache, Dorpat.

Durchſchnittlich ſind von den Ordinarien einer Univerſität nach je fünf Jahren ein Viertel nicht mehr an derſelben, der fünfjährige Wechſel iſt im Durchſchnitt 25(genau 25.6) Procent, wobei freilich ein unvermeidlicher Fehler mit unterläuft, indem Diejenigen, welche nach dem erſten der beiden verglichenen Zähltermine an einer Univerſität das Ordinariat erlangten, aber vor dem zweiten Zähl⸗ termine von dieſer Univerſität wieder abgingen(ein bei uns nomadenhaften Profeſſoren gar nicht ſo ſeltener Fall) dem Statiſtiker ganz entgehen. Ein anderer Fehler liegt darin, daß der Durchſchnitt aus zweimaliger Beobachtung noch nicht ganz genügt. Der oben angegebene Wechſel von 25 Pro⸗ cent iſt das Mittel aus zwei durchaus nicht gleich großen Wechſeln, 1870 auf 1875 war der Wech⸗ ſel 30% geweſen, 1875 auf 1880 nur 22%, der letztere Durchſchnitt iſt wohl der normalere, denn 1870 auf 1875 wurde der Wechſel durch die Gründung Straßburgs abnorm beſchleunigt.

Der Wechſel in der theologiſchen, in der mediciniſchen und in der philoſophiſchen Facultät iſt einander ſehr ähnlich, zwiſchen 22 und 25 Procent, in der juriſtiſchen viel bedeutender, nämlich 34 Procent. Hier war die erſte der beiden Perioden ganz abnorm, hat doch das erſte Jahrfünft nach dem franzöſiſchen Kriege eine ſo große Wanderwuth in den Rechtsgelehrten hervorgerufen, daß gegen 26 27 Procent in den andern Facultäten, bei den Juriſten nicht weniger als 44.8 Procent wechſelten. Den Gründen hierfür nachzuſpüren muß ich den Juriſten überlaſſen, es wird aber ein einmaliges Moment geweſen ſein, denn im nächſten Luſtrum ſind die Juriſten wieder faſt auf den Wandertrieb der anderen Facultäten herabgeſtiegen auf 24 Procent, gegen 20 Procent der Mediciner, 23 Procent der Philoſophen, und 19 ½ Procent der Theologen. Die Letzteren haben ſich bisher als die Seßhafteſten bewährt.

Indem wir die verſchiedenen Facultäten zunächſt noch bei Seite laſſen, unterſuchen wir zu⸗