Druckschrift 
Über Alter und Wechsel der Professoren an den deutschen Universitäten : akademische Festrede zur Feier des Stiftungsfestes der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität am 1. Juli 1881 / gehalten von dem derzeitigen Rektor Dr. Etienne Laspeyres, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften
Entstehung
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Ordnen wir die 20 alten Univerſitäten des deutſchen Reichs(das Material für die andern iſt zu lückenhaft) nach der Größe des Wechſels, ſo ergiebt ſich, daß auf den 12 Hochſchulen mit häufigem Wechſel von mehr als 24.8 Procent das Durchſchnittsalter 51.6 Jahre iſt, auf den übrigen 8 mit ſeltenem Wechſel von weniger als 24.8 Procent aber 55.8 Jahre, durchſchnittlich über 4 volle Jahre mehr. Auf weitere Viertheilung und auf Eingehen in die einzelnen Facultäten muß ich leider aus Zeitmangel verzichten, da ich noch einige Beziehungen von Wechſel und Alter zu anderen Erſcheinungen berühren möchte.

Meine Zahlen haben mich belehrt, in welchem Maße die Studenten diejenigen Univerſi⸗ täten mit Vorliebe aufſuchen, an denen die Profeſſoren durchſchnittlich beſonders alt ſind, wobei es ſich, nebenbei bemerkt, freilich nicht ſelten ereignet, daß der Student eine Univerſität um eines berühmten alten Profeſſors willen bezieht, aber ſchließlich bei einem viel weniger berühmten aber vielleicht anregenderen Extraordinarius oder Privatdocenten hört.

Ordnen wir unſere 21 Hochſchulen Deutſchlands nach dem Alter der Profeſſoren, und ſetzen dazu die durchſchnittliche Studentenzahl, ſo zählen wir bei ſehr alten Profeſſoren der Uni⸗ verſitäten durchſchnittlich 2093 Studenten, bei ziemlich alten Profeſſoren 847 Studenten, bei ziem⸗ lich jungen Profeſſoren 465. So weit gehen beide Erſcheinungsreihen miteinander, aber die Uni⸗ verſitäten mit den ſehr jungen Profeſſoren haben nicht noch weniger Studenten, ſondern wieder mehr, nämlich 621. Wir wunderten uns ſchon früher, unter den ſehr jungen Univerſitäten das große Tübingen zu finden, und ſprachen die Vermuthung aus, daß bei längerer Beobachtung Tübingen, wie es ſchon die älteſte unter den ſehr jungen iſt, in der 3. Gruppe der ziemlich jungen ſeinen Platz finden würde. Außerdem ſteht noch Straßburg unter den 5 ſehr jungen Univerſitäten, wäh⸗ rend es bei zunehmendem Alter ſeiner vor höchſtens zehn Jahren in jugendlichem Alter dorthin be⸗ rufenen Profeſſoren zu den nur ziemlich jungen, ja vielleicht zu den ziemlich alten von ſelbſt heran⸗ reifen wird.

Nimmt man Frequenz und Alter nicht aus einer, ſondern aus 3 Beobachtungen, wobei Straßburg wegfallen muß, dann ſtimmt die Frequenz mit allen vier Altersſtufen, denn bei einem Alter von 58, 55, 52, 50 Jahren iſt die Studentenzahl 1600, 1000, 552, 418.

In den einzelnen Facultäten gehen auch, wenn man nur zweitheilig alte und junge Uni⸗ verſitäten unterſcheidet, 188% die Studenten ausnahmslos mit dem Alter. Die alten Theologen facultäten zählen je 151 Studenten, die jungen je 124, die alten Juriſtenfacultäten haben je 348 Studenten, die jungen nur 162, die alten Medicinerfacultäten je 294 Studenten, die jungen nur 156. Endlich die alten Philoſophenfacultäten haben je 713 Studenten, die jungen nur 201.

Bis zur Viertheilung durchgeführt, ſtimmen Alter und Frequenz nur bei den Juriſten, denn die Univerſitäten von je 57, 54, 48 und 44 Jahren zählen 438, 329, 183, 129 Studenten. In den drei andern Facultäten ſtimmt noch nicht Alles aus mannigfachen hier zu weitläufigen Gründen, nur für die Theologen wollen wir bemerken, daß die Sache in ſofern hinkt, als wir in Bonn, Breslau und Tübingen die beiden Facultäten, die evangeliſche und die katholiſche, zuſammen nehmen mußten, wodurch dieſe Facultäten zu größeren wurden, als jede für ſich allein wäre.