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für einzelne Perſönlichkeiten verſagte, mit den Collegen ſelbſt uns archivaliſche Quellen erſchloſſen, ſo daß uns aus dem deutſchen Reich kein theures Haupt für den Winter 188 ⁄ fehlt.
Die 948 ordentlichen Profeſſoren an unſern 21 Hochſchulen des deutſchen Reichs(faſt ein Bataillon auf Kriegsfuß) waren durchſchnittlich 52.6 Jahre alt, das höchſte Durchſchnittsalter einer Univerſität 58.2 für München, das niedrigſte 45,9 Jahr für Gießen. Wir ſind neuerdings von allen deutſchen Univerſitäten die jugendlichſte. Ehe wir jedoch darauf eingehen, Gießen als die jüngſte mit all den 20 älteren Schweſtern zu vergleichen, ſei noch Folgendes bemerkt: Unſere früheren Berechnungen, welche nur auf den unvollſtändigen gedruckten Quellen beruhten, hatten als Durch⸗ ſchnittsalter 187% damals noch ohne Straßburg ergeben 53.7 Jahre, 1875⁄/⁄6 ohne Straßburg 54.4 Jahre, mit Straßburg 54 Jahre. Der Durchſchnitt aller drei Berechnungen ſtellt ſich auf 53.6 Jahre für das letzte Jahrzehnt.
Wollen wir Gießen mit den andern Univerſitäten vergleichen und den Alterscharacter aller Univerſitäten mit möglichſt wenig Zahlen darſtellen, dann haben wir uns zunächſt darüber zu ver⸗ ſtändigen, welche Univerſitäten wir nach dem Alter ihrer Ordinarien als„jung“, welche als „alt“ bezeichnen wollen. Es iſt dies, auf unſern Fall angewendet, die allgemeine Aufgabe in die ſtatiſtiſch, d. h. mittelſt ſyſtematiſcher Maſſenbeobachtungen zu durchforſchenden Wiſſensgebiete quan⸗ titative Begriffe und Worte einzuführen. Um eine gegebene Menge von Beobachtungen, in unſerem Fall alſo Univerſitäten mit verſchiedenem Alter, in zwei Hauptgruppen„jung“ und„alt“ zu theilen, ſetzt man den Durchſchnitt aller, hier das Durchſchnitts alter als Grenzſcheide zwiſchen jung und alt, und verſteht ein für alle Mal unter„jung“ die Univerſitäten, welche unter dem Durchſchnitt aller bleiben und unter„alt“ die, welche den Durchſchnitt überſteigen. Mit dem Wort jung und alt verbindet ſich dann ſogleich ein beſtimmter Begriff über⸗ und unterdurchſchnittlich. Darnach wären als alt alle Univerſitäten zu bezeichnen an denen im Mittel der drei Jahre 1870, 1875, 1880 die Ordinarien durchſchnittlich über 53.6 Jahre, als jung alle, an denen dieſelben unter 53,6 Jahre ſind. Daß hier eine Altersdifferenz von nur wenigen Tagen den Einen von zwei faſt gleichalterigen Profeſſoren zum alten, den anderen zum jungen Profeſſor ſtempelt, iſt ein bei keiner Ein⸗ theilung zu vermeidender Fehler, gerade ſo wie man Jemanden, der ein nur um wenige Mark höheres Einkommen hat als ein anderer, in eine viel höhere Steuerſtufe ſetzt. An den Univerſitäten, welche wir auf dieſe Weiſe als„alt“ befunden haben, ſind die Ordinarien durchſchnittlich 55,4 Jahre alt, an den jungen Univerſitäten 51.7. Wird eine weitere Theilung in 4 Gruppen etwa in„ſehr alt“, „ziemlich alt“,„ziemlich jung“ und„ſehr jung“ beliebt, um nicht zu verſchiedene Alter in eine Gruppe zu zwängen, dann wird die Scheide zwiſchen ſehr alt und ziemlich alt wieder beim Durch⸗ ſchnittsalter aller„alten“, alſo bei 55.4 Jahren zu ſetzen ſein, und ebenſo die Scheide zwiſchen ziemlich jung und ſehr jung beim Durchſchnittsalter aller„jungen“, alſo bei 51.7. Welche Univer⸗ ſität hiernach ein Durchſchnittsalter von mehr als 55.4 Jahren aufweiſt, gilt als„ſehr alt“, alle Univerſitäten, deren Alter zwiſchen 55.4 und 53.6 Jahren liegt, gelten als„ziemlich alt“, zwiſchen 53.6 und 51.7 als„ziemlich jung“, unter 51.7 als„ſehr jung.“ Iſt das Material genügend groß, kann man beliebig auf dieſelbe Weiſe zur Achttheilung, zur Sechzehntheilung u. ſ. w. fortſchreiten.
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