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Über Alter und Wechsel der Professoren an den deutschen Universitäten : akademische Festrede zur Feier des Stiftungsfestes der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität am 1. Juli 1881 / gehalten von dem derzeitigen Rektor Dr. Etienne Laspeyres, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften
Entstehung
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wenn ich ſie ſo nennen darf, Halbſchweſtern deutſcher Zunge im Ausland, endlich, ſoweit es an⸗ geht, in hiſtoriſcher Vergleichung des jetzigen Gießen mit dem früheren.

Wenn hierbei immer nur die ordentlichen Profeſſoren berückſichtigt werden, ſo mögen die wegen mangelnder Statiſtik nicht erwähnten Privatdocenten und Extraordinarien ſich damit tröſten, daß viele von uns Ordinarien vor ein paar Jahren auch noch nicht ſtatiſtiſch analyſirt wurden, und viele von Ihnen vielleicht bald als Ordinarien mit in den Reigen aufgenommen werden.

Recht ſchlagend muß Ihnen, geehrte Gäſte, wenn Sie darauf achteten, bei unſerem heu⸗ tigen Einzug, der Ihnen ein Bild unſeres Lehrperſonals darbot, die Jugendlichkeit unſerer Körper⸗ ſchaft entgegengetreten ſein. Nicht als ob wir alle uns noch der Jugend erfreuten, aber unter den 36 ordentlichen Profeſſoren ſind auffallend wenige über 50 Jahre alt, nämlich nur 11, umgekehrt, ſind auffallend viel Profeſſoren unter uns, welche das 40. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, nämlich 16, und nur 9 ſtehen in dem mittleren Alter von 4050 Jahren. Fragen wir, um dieſe Angaben in ein Bild zufammenzufaſſen, wie alt iſt durchſchnittlich heute am 1. Juli 1882 der Gießener Qrdinarius, ſo ergiebt die Berechnung das wie Sie ſpäter erkennen werden ſehr niedrige Alter von 46 Jahr und 62 Tagen. Das Alter iſt in den drei Facultäten der Juriſten, Mediciner und Philoſophen ziemlich das gleiche mit je 48, 46 und 48, nur unſere Theologen, welche man ſich ſonſt als beſonders auch durch das Alter ehrwürdige Herren vorſtellt, fallen ganz aus dem Rahmen, denn über ihre ausnahmslos noch unergrauten und ungelichteten Scheitel ſind noch nicht mehr als 34 Sommer dahingegangen, ja der Curioſität halber ſei darauf hingewieſen, daß im Sommerſemeſter 1879 unſere Theologen im Durchſchnitt noch nicht einmal 31 Jahre alt waren, ein Durchſchnittsalter einer vollſtändigen Facultät, welches wohl noch niemals vorgekommen iſt und auch nicht ſo leicht wieder erlebt werden wird.

Unſer Gießener Alter von 46 Jahr und 62 Tagen will für Manchen vielleicht noch nicht viel beſagen, und in der That verlangt dieſe Zahl ihre Deutung durch Vergleich mit andern Uni⸗ verſitäten. Zu dieſem Behuf können wir nicht unſer augenblickliches Alter zu Grunde legen, ſondern müſſen auf eine etwas frühere Periode zurückgreifen, auf das Winterſemeſter 188%. Der Zufall wollte es, daß ich mit dem Alter der Profeſſoren zuerſt im Winter 187%¾ mich beſchäftigte, dann nach einem paſſenden Zwiſchenraum von fünf Jahren alſo für 1875⁄ die Unterſuchung wieder aufnahm, und um nun nach gleichen Perioden die Unterſuchung weiter zu führen, für die dritte Beobachtung auf das Winterſemeſter 188% zurückgreifen mußte. Wenn alſo einem oder dem anderen Collegen einige Daten aus Gießen auf den erſten Anblick nicht ganz richtig zu ſein ſcheinen, dann berück⸗ ſichtigen Sie bitte immer, daß drei Semeſter zurück manche Verhältniſſe etwas anders lagen als heute.

Das Alter der Profeſſoren iſt zum erſten Male im Winter 188 ¾⁄ für alle 21 Univer⸗ ſitäten des deutſchen Reiches(Münſter rechnet in ſeinen beiden Facultäten für voll) ein vollſtändiges denn wenn auch, wie bei den zwei früheren Beobachtungen unſere gedruckten Quellen bedenkliche Lücken enthielten, ſo hat doch eine Correſpondenz mit allen 20 Schweſteranſtalten, und wo dieſe,