Druckschrift 
Über Alter und Wechsel der Professoren an den deutschen Universitäten : akademische Festrede zur Feier des Stiftungsfestes der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität am 1. Juli 1881 / gehalten von dem derzeitigen Rektor Dr. Etienne Laspeyres, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften
Entstehung
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Der eine Vortheil dieſer Eintheilung vor den meiſten anderen iſt der, daß eine Willkür, wo man eine neue Gruppe oder Kategorie beginnen laſſen will, völlig ſich ausſchließt, und das iſt in der Statiſtik, welche durchGruppirung der Zahlen ſo leicht irreleiten kann, ſehr wichtig. Ein zweiter Vortheil iſt Folgender. Dieſe Eintheilung zeigt, um es gleich an unſerm Falle zu er⸗ läutern, ſehr deutlich, ob das mittlere Alter aus Einzelaltern reſultirt, welche ſehr wenig von ein⸗ ander abweichen, oder aus wenig auffallend hohen und vielen nicht auffallend niedrigen, oder um⸗ gekehrt. So ſinden wir, daß von den 20 alten deutſchen Hochſchulen jede der 4 Gruppen nicht gleichmäßig 5 Univerſitäten umfaßt, ſondern daß nur 3 als ſehr alt, 7 als ziemlich alt, 5 als ziemlich jung und 5 als ſehr jung aus der Analyſe hervorgehen, weil die 17 wenigſt alten Uni⸗ verſitäten unter ſich durchſchnittlich nur um je Jahr differiren, die drei älteſten um durchſchnitt⸗ lich ein ganzes Jahr.

Doch das praktiſche Reſultat der Einreihung aller 20 Univerſitäten in die 4 Gruppen dürfte die Meiſten von Ihnen mehr intereſſiren als die Methode der Einreihung. Hier iſt das Reſultat: Nach unſerer Eintheilung ſind ſehr alt: Berlin mit 58.2, Göttingen mit 57.6, und München mit 57 Jahren. Auf dem anderen Ende der Reihe mit der jüngſten anfangend iſt vor allem ſehr jung unſer Gießen mit 49.1. Dieſe Zahl iſt gegen die früher für Gießen mitgetheilten ſo hoch, weil 1870 und 1875 wir noch manchen jetzt penſionirten Collegen in unſerer Mitte hatten, und dieſe 49.1 Jahre ſind ja das Mittel aus 1870, 1875, 1880. Auf Gießen mit ſeinen 49,1 Jahren folgt Roſtock mit 49,2, Tübingen mit 49,7, Kiel mit 49,8 und Erlangen mit 50,8 Jahren. Als ziemlich jung, an Erlangen jenſeits der Grenze anſchließend ſtellen ſich dar Freiburg, Würzburg, Königsberg, Marburg und Greifswald. Endlich ziemlich alt anſchließend an das Jüngſte unter den ſehr alten, nämlich an München mit ſeinen 57 Jahren, die ſieben Hochſchulen Leipzig, Jena, Breslau, Bonn, Halle, Heidelberg. Gruppirt man die Univerſitäten nach jeder der drei einzelnen ſtatiſtiſchen Aufnahmen, dann verſchieben ſich wohl einmal ein paar Univerſitäten gegen einander, im Weſentlichen bleibt das Bild das gleiche.

Eine weitere Frage iſt, ob die einzelnen Facultäten ſtark im Alter von einander abweichen. Nehmen wir hierfür die vollſtändigſte ſtatiſtiſche Erhebung, die vom Winter 1880/⁄1, als das Durch⸗ ſchnittsalter aller Facultäten 52.6 Jahr betrug. Die mediciniſche und die philoſophiſche Facultät aller Univerſitäten ſind ganz und faſt ganz dem Durchſchnitt gleich mit 52.6 und 52.4 Jahren, die Theologen ſind weſentlich älter, nämlich 54.4 Jahr, wie ſie auch ſchon 1870 und 1875 es geweſen, die Juriſten, wie ſie es zum Mindeſten 1875 auch ſchon geweſen, etwas jünger, 51.6 Jahr. Daß die Juriſten durchſchnittlich faſt 3 Jahr jünger ſind als die Theologen, iſt höchſt auf⸗ fallend. Ein entſchiedener Mangel an Juriſten, der zu ſehr jungen greifen ließ, ſcheint hier vor⸗ zuliegen und wird durch den ſpäter zu beſprechenden enormen Wechſel der Profeſſoren in den Juriſten⸗ facultäten beſtätigt.

Die vier Fucultäten unterſcheiden ſich ferner dadurch ſtark von einander, wie viele der 21 Univerſitäten in jeder der 4 Facultätsaltersgruppen ſtehen. Während 1881 in allen Facultäten zuſammen jede Altersſtufe je 5 und einmal 6 umfaßt, iſt dies in den einzelnen Facultäten