Druckschrift 
Über die Bedeutung der historischen Continuität : mit besonderer Rücksicht auf die deutschen Universitäten : akademische Festrede am 9. Juni 1857 / gehalten von Gustav Adolf Ludwig Baur
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen

00

8

16

wir trinken, wann werden wir angeſtellt und mit wieviel Beſoldung? Sondern trachtet am erſten mit reinem und friſchem wiſſenſchaftlichen Sinne nach einer Stelle im Reiche der Wiſſenſchaft, nach einer tüchtigen wiſſenſchaftlichen Bildung, ſo wird euch ſolches Alles zufallen; und dazu allerdings auch noch eine innere geiſtige Befriedigung, welche der kleinlichen Eiferſucht gegen den vielleicht minder Tüchtigen, den auf derLeiter zur höchſten Macht ein günſtiges Geſchick vielleicht eine Sproſſe über Sie geſtellt hat, keinen Raum läßt. Zugleich dient ein ernſter wiſſenſchaftlicher Sinn unmittelbar auch als der beſte Maaßſtab, um die zarte Gränze einzuhalten, jenſeits welcher die Freuden und Genüſſe des akademiſchen Lebens aufhören, mit den Geſetzen des Anſtandes und der Sittlichkeit verträglich zu ſeyn. Mit ſolcher Rüſtung ausgerüſtet, meine Herrn, ſchmückt Sie der Name des Commilitonen mit Recht: Sie ſtehen nicht blos als Schüler dem Lehrer gegen⸗ über, ſondern bilden ſelbſtthätig mitwirkende integrirende Glieder der akademiſchen Corporation.

Niemand, meine verehrten Herrn Collegen, kann lebhafter empfinden, als ich ſelbſt, wie wenig dieſe zerſtreuten Bemerkungen der Bedeutung des Tages und der Würde dieſer Feier angemeſſen ſind. Dürfte ich mich nur der Hoffnung getröſten, daß es mir gelungen iſt, in dieſer feſtlichen Stunde in uns allen das Bewußtſeyn lebendig anzufachen, daß wir einer Corporation angehören, welche berufen iſt, auf altehrwürdigem Grunde an einer der von den Vätern mit Vorliebe gepflegten Bildungsſtätten das heilige Feuer der deutſchen Wiſſenſchaft zu bewahren und wach zu erhalten, Jeder das Auge ſtets feſt gerichtet auf den gemeinſamen Zweck, und perſönliche Intereſſen der Rückſicht auf das Gedeihen und die Ehre des Ganzen unterordnend. Möge denn unſere heutige Feier die Reihe dieſer Doppelfeſte mit gutem Omen eröffnen. Möge der allmächtige Gott ſeine Hand ſchützend und ſegnend halten über unſern Großherzog und über ſein hohes Haus! Wir dürfen in der Erhörung dieſer Bitte eine Bürgſchaft dafür erblicken, daß es auch nicht unerfüllt bleiben werde, wenn wir ſchließlich unſerer Alma Ludoviciana aus vollem Herzen ein vivat, floreat, crescat zurufen!

Ich habe geſprochen.