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Über die Bedeutung der historischen Continuität : mit besonderer Rücksicht auf die deutschen Universitäten : akademische Festrede am 9. Juni 1857 / gehalten von Gustav Adolf Ludwig Baur
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Auslands, wie Victor Couſin, haben mit Neid hingeſehen auf die ſo lebendig anregende und ſo erfolgreiche natürliche Concurrenz, welche an und unter den Univerſitäten unſeres Vaterlandes ſich bildet, und welche die wiſſenſchaftlichen Anſtalten Frankreichs durch ihre geſetzlich vorgeſchrie⸗ benen Concurſe vergebens zu erſetzen ſuchen. Wenn ſtatt deſſen Deutſche den hohen Werth eines aus dem Geiſte unſeres Volkes geborenen und durch eine lange geſchichtliche Entwicklung hindurch mit Liebe groß gezogenen vaterländiſchen Inſtitutes verkennen und die Rückkehr zu den minder vollkommenen Einrichtungen des Auslandes fordern, ſo iſt das eben ſo undeutſch, als es unwiſſenſchaftlich iſt. Bleiben wir vielmehr, ohne den Werth, welchen für einzelne Fächer Spe⸗ cialſchulen neben der allgemeinen akademiſchen Bildung haben, irgend zu verkennen, bei dem ſchönen Worte eines als Rechtslehrer, wie als Geſchichtſchreiber der Univerſitäten, gleich ausge⸗ zeichneten deutſchen Gelehrten, Savigny's:Die Univerſitäten ſind auf uns als ein edles Erbſtück früherer Zeiten gekommen, und es iſt für uns eine Ehrenſache, ihren Beſitz wo möglich vermehrt, wenigſtens unverkürzt, den kommenden Geſchlechtern zu überliefern.

Es wäre ſehr einladend, nach dieſen Bemerkungen über die Univerſitäten im Ganzen auch den heil⸗ ſamen Einfluß zu verfolgen, welche auf die einzelnen Wiſſenſchaften die Beachtung der Continuität ihrer geſchichtlichen Entwicklung übt; etwa auch zu unterſuchen, ob nicht die kleineren Univerſitäten ſich über⸗ lebt haben, und auch die Wiſſenſchaft ihren Sitz immer ausſchließlicher an den großen Centralpunkten des Verkehrs aufſchlagen wird: auch auf dieſe Frage würde dem aufmerkſamen Beobachter die geſchichtliche Entwicklung eine Antwort geben, und trotz Allem, was im Augenblicke dagegen ſprechen mag, wie es mir wenigſtens ſcheinen will, eine für die kleineren Univerſitäten nicht ungünſtige. Aber die vorgerückte Zeit mahnt zum Schluſſe, und ſo richte ich nur noch ein kurzes Wort an Sie, meine verehrten Herrn, welche der akademiſche Sprachgebrauch ſo ſchön als Commilitonen, als Kampfgenoſſen, bezeichnet. Was iſt der Preis unſeres gemeinſamen Kampfes? Eine Examen⸗ note, die gut, oder wenig ſchlecht genug iſt, um Ihnen die vielverſprechende Pforte aufzuſchließen, welche von der akademiſchen Laufbahn hinüberleitet auf die ſo viel betretenen und darum nur um ſo dornenvolleren Pfade des Acceſſes? Eine Stelle, oder ein Stellchen, das dem Glücklichen, der es erhaſcht, frühe ein leidliches Auskommen gibt? Für den Kampf um dieſe beſcheidenen Güter, das fühlen Sie ſelbſt, ſchmückt ſie der Ehrennamen des Commilitonen nicht; für ihn wäre das zahlreiche und koſtbare Rüſtzeug der akademiſchen Lehrmittel zu großartig angelegt. Es iſt ein höheres Ziel, das uns vorgeſteckt iſt, die wiſſenſchaftliche Wahrheit iſt der Preis, um den wir ringen, welchen wir dem Irrthum, der Unklarheit, allen ihn uns vorenthaltenden Hin⸗ derniſſen abringen ſollen. Glauben Sie nicht, meine Herrn, daß ich Sie auffordern will, mit dem ſtolzen Bewußtſeyn, um dieſen Preis gerungen und ihn zum Theil errungen zu haben, von dem Leben ſich zurückzuziehen und auf deſſen Güter zu verzichten. Im Gegentheil iſt meine Mei⸗ nung die, daß das Wort des Heilandes:Trachtet am erſten nach dem Reiche Gottes und ſeiner Gerechtigkeit, ſo wird euch ſolches Alles zufallen! auch von dem Reiche der Wiſſenſchaft gilt. Darauf angewandt, lautet es: Sorget nicht vorzeitig, was werden wir eſſen, was werden