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Über die Bedeutung der historischen Continuität : mit besonderer Rücksicht auf die deutschen Universitäten : akademische Festrede am 9. Juni 1857 / gehalten von Gustav Adolf Ludwig Baur
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Cancellarie Academiae magnifice!

pecani maxime spectabiles!

professores et Doctores omnium ordinum summe reverendi, eonsultissimi, experientissimi, humanissimi!

Commilitones honoratissimi!

Hospites illustres, splendidissimi, amplissimi!

Es iſt heute zum erſten Male, daß dieſer altakademiſche Gruß an dieſer Stelle ausge⸗ ſprochen wird. Indem ich Sie alle, Hochzuverehrende Anweſende, damit in dieſen feſtlichen Räumen willkommen heiße, iſt das Gefühl, welches in dieſem Augenblicke mich vorzugsweiſe bewegt und welches vor allen zum Ausdrucke drängt, das Gefühl des Dankes. Des Dankes vor Allem gegen unſern gnädigen Gott, daß er in unſerm Allerdurchlauchtigſten Großherzoge Ludwig III., deſſen Hohes Geburtsfeſt heute von allen treuen Heſſen in freudiger Erhebung begangen wird, uns allen einen gnädigen Fürſten und Herrn, unſerer Univerſität insbeſondere einen weiſen und huldvollen Fürſorger geſchenkt hat, und daß er während eines nun gerade drittehalbhundertjährigen Beſtehens unter mannigfaltigen Wechſelfällen, welchen manche deutſche Schweſteranſtalten unterlegen ſind, unſere Univerſität durch ſeinen allmächtigen Schutz erhalten und ihr unter den Hochſchulen des deutſchen Vaterlandes eine ehrenvolle Stelle geſichert hat. Des Dankes ſodann gegen unſeren Allergnädigſten Großherzog ſelbſt und ſeine Hohe Regierung, daß er, dem Vorbilde ſeiner erlauchten Ahnen getreu, dieſe Pflanzſtätte der Wiſſenſchaft als eines der Kleinode ſeiner Krone hoch und werth hält, und durch ſeine Muniſicenz auch die würdige Ausſtattung dieſes Raumes gefördert hat. Des Dankes ferner für die Pietät, womit Sie, Hoch⸗ zuverehrende Herrn Collegen, zur Herſtellung dieſer für uns unſchätzbaren Denkbilder an unſere Vorfahren im akademiſchen Lehramte die Mittel gerne dargeboten, und indem Sie die längſt heim⸗ gegangenen Collegen ehrten, ſich ſelbſt geehrt haben. Des Dankes endlich gegen dieſe ganze hochanſehnliche Verſammlung, welche, in allen ihren Beſtandtheilen zu unſerer Hochſchule in mehr oder weniger naher Beziehung ſtehend, durch ihre Anweſenheit unſere akademiſche Feier ehren und verherrlichen will.

Nachdem ich aber der nächſtliegenden und ſo angenehmen Pflicht der Dankbarkeit genügt habe, dringt die Maſſe desjenigen, was jetzt an dieſer Stelle zu ſagen wäre, von allen Seiten

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