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ſo gewaltſam auf mich ein, daß ich wünſchen muß, es möchte die Aufgabe, dieſen Gedanken den entſprechenden und würdigen Ausdruck zu geben, einer Kraft zu Theil geworden ſein, welche ihr in höherem Grade gewachſen iſt, als die meinige, der ich, durch das Vertrauen meiner ver⸗ ehrten Collegen und die gnädigſte Beſtätigung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs für dieſes Jahr mit dem Rectorate betraut und dadurch in dem Falle bin, gerade diesmal als Feſtredner auftreten zu müſſen. Doch finde ich einigen Muth in der Erwägung, daß Sie nicht hierher gekommen ſind, um Neues und Abſonderliches zu vernehmen, daß ich durch meine Rede nicht etwa eine neue Stimmung in Ihnen erſt zu erzeugen, ſondern nur einer bereits vorhandenen Worte zu geben habe. Ich darf hoffen, Ihnen Genüge zu thun, wenn es mir gelingt, die Grundtöne dieſer Stimmung anzuſchlagen; und darf es dann Ihnen ſelbſt überlaſſen, dieſe Töne durch näher und ferner liegenden Verbindungen hindurch weiter zu verfolgen und ſinnreicher fort⸗ zuſpinnen, als es Ihrem dermaligen Redner das ihm zugemeſſene Maaß von Zeit und Fähigkeit geſtatten würde.
Die akademiſche Feier, zu welcher wir uns hier verſammelt haben, iſt nicht etwas durchaus Neues, ſondern nur die erſte Ausführung eines ſeit Jahren bereits gehegten Planes, zu deſſen Verwirklichung bisher nur die genügende Localität fehlte, und der durch die jüngſten Beſchlüſſe des akademiſchen Senates mit Rückſicht auf die unterdeß veränderten Ferienverhältniſſe dahin modificirt wordrn iſt, daß nicht am Namenstage, ſondern am Geburtsfeſte Sr. Königlichen Ho⸗ heit des Großherzogs, nach der Analogie anderer deutſchen Univerſitäten auch von der unſrigen der feſtliche Tag durch einen feierlichen Redeactus begangen werden ſoll. Durch die im Jahre 1838 erfolgte Abtragung des alten Colleggebäudes wurden wir einer für dergleichen Feier⸗ lichkeiten geeigneten Räumlichkeit beraubt, und obgleich bereits nach zwei Jahren auf dem Grunde des alten das neue Colleggebäude ſich erhoben hatte und dem Gebrauch übergeben werden konnte, ſo ſtellten ſich doch der Vollendung der größeren Aula beſondere Hinderniſſe entgegen; bis denn endlich heute, wo wir durch dieſen erſten in ihr vorgenommenen feierlichen Act ſie zugleich ihrer Beſtimmung übergeben, auch ſie fertig daſteht, ausgeſtattet mit dem würdigſten Schmucke, mit den Bildniſſen der erlauchten fürſtlichen Beſchützer unſerer Hochſchule, ſowie denjenigen unſerer Vorfahren im akademiſchen Lehramte. Jene Bildniſſe, welche die ununterbrochene Reihe unſerer erhabenen Landesfürſten von dem Stifter unſerer Univerſität, Landgraf Ludwig V., bis auf den Großherzog Ludewig J. darſtellen, daneben den gelehrten Landgrafen Philipp zu Butzbach und Georg den Mittleren zu Vöhl, ſind unſchätzbare Geſchenke fürſtlicher Huld. Zugleich verordnete am 20. April 1629 Georg II., daß, ähnlich wie auf anderen theils ausländiſchen, theils deut⸗ ſchen Univerſitäten, ſo auch auf der— damals nach Marburg übergeſiedelten— Alma Ludo- viciana, der damaligen, wie auch jeder künftigen Professorum gemalt Bildniß in einer gleichen Größe und Form mit Anzeig des Namens auch der Jahrzahl ſeines Alters und der Geburt Chriſti aufbewahrt werden ſollte; denen Professoribus, ſo damals allbereit beſtellt waren, ſollte der Malerlohn, umb welchen man zum genaueſten zu markten hätte, vom oeconomo erſtattet,


