Univerſität, am 10. October 1605 in unſerer Stadt eröffnete, um den weßenm. ihres ſtreng luthe. riſchen Bekenntniſſes aus Marburg vertriebenen Proſeſſoren und Geiſtlichen einen ihrer Fähbigkeit angemeſſenen Wirkungskreis zu bieten, pflegte er ſein koſtbarſtes Kleinod zu nennen, und vorzüg lich ſeinem lebendigen Eifer für die junge Anſtalt iſt es zuzuſchreiben, daß ſie im erſten Jahre ihres Beſtehens bereits dreihundert chüler zählte Die Ertheilung der zur Verwandlung des Gymnaſtums in eine eigentliche Univerſttät nöthigen kaiſerlichen Privilegien betrieb der Landgraß perſönlich in Prag, und bereits am 6.d etober(a t.) 1607 konnte in dem großen Saale des hieſigen Rathhauſes nach dem von dem Landgrafen ſelbſt verfaßten Programm der ſeierliche Act der Einweihung vorgenommen werden, wobet der erlauchte Fürſt ſelbſt die Eröſſnungsrede hielt und dieſe der Univerſität von hm verehrten beiden ſilbernen Scepter dem erſten Rector und Kanz ler der Univerſttät, Ior. Gottfried Antoni, eigenhändig übergab. Mit einer bis ins Einzelne gehenden Sorgſalt war er um die würdige Ausſtattung der Univerſität, um Gewinnung küchtigen Lehrer, um Unterſtützung bevürftigen tudirenden bemüht Im Jahre 1620, nachdem dem Land grafen durch kaiſerliches Ediet die ganze Marburger Verlaſſenſchaft zugeſprochen worden war, wurde die Untverſttät nach Marburg verlegt. Ein Jahr darauf ſtarb Ludwig V. Georg II. trat in die Fußtapfen des Vaters Als im Jahre 1633 eine in Marburg herrſchende Seuche veranlaßte, daß die Univerſität auf die Dauer eines Jahres hierher überſtedelte, wohnte der Landgraf häuſeg. Disputationen und Promotionen bei, und in dem an alle Kirchenthüren des Landes angeheftetem Patent, welches nach Erledigung der Marburgen treitigkeit die Wievereröffnung der Untverſität in Gießen auf den 5. Mai 1650 ankündigte, konnte er mit gutem Grunde verſichern, daß er „geſchickte, erfahrene, treu fleißige und tapfere professornes in ommibus e zingulia fHaeultatibu nominiret“ habe, zur Verherrlichung der Feierlichkeit aber ſandte er den Erbprinzen Ludwig und den Prinzen Georg, um dem Einweihungsact beizuwohnen Oieſes warme Intereſſe des Landes herrn für die Univerſttät zündete weiter. Die Stadt Gießen trug zur Ausſtattung und Förderung der Univerſität das Ihrige bereitwillig bei! ſier ſah ein, daß ſie mit der Sorge für das Wohl ver Univerſität zugleich auch für den eignen Vortheil am beſten ſorgte. Auch der Kaiſer verſah auf Georg’s II. Nachſuchen die Univerſität mit neuen Freiheiten und Privilegien, o erhielt bereits im Jahre 1630 der jedesmalige Hecan bei zuriſtenfacultät,„weil ſich in ihr wohlqualiſt⸗ eirte, in kaiſerlichen Rechten trefflich erfahrene subjecta, doctores unb profossores befunden“, die freilich unterdeß eingegangene Würde eines kaiſerlichen Hofpfalzgrafen, und vamit das Recht zu legitimiren, Wappen zu ertheilen, Notarien und gekrönte Dichter zu ereiren. Weithin ver breitete ſich der Ruhm ver Univerſität und lockte von allen Seiten Stuvirende herbei. Insbeſon⸗ vere zog vas Beiſpiel des Landesfürſtlichen Hauſes ſelbſt viele Sprößlinge erlauchten Familien an. Wie mag es dem wackeren Balthaſar Schupp wohlgethan haben, vaß er in ver Widmung ſeines„Teutſchen Lucianus“ an den Landgrafen Friebrich zu Heſſen, ver vamals als General in ſchweviſchen Dienſten ſtand, ſchreiben konnte:„Eure Hochfürſtliche Gnaden werden ſich gnädig erinnern der Zeit, va Sie zu Marpurg ſtudirten unſere Untverſität befand ſich damals zu
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