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Andeutungen zu zeitgemässer Verbesserung akademischer Einrichtungen : zunächst veranlasst durch den für die Großherzogliche Hessische Landesuniversität zu Gießen neuerlich festgesetzten Studienplan und die auf denselben bezüglichen polemischen Schriften der Herren D.A.A.E. Schleiermacher und D.J.T.B.v. Linde / [Georg Zimmermann]
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man ihrer Thätigkeit, ihrem gegenſeitigen Wetteifer den(für alle Menſchen nun einmal bedeutenden) Sporn des pecuniären Ge⸗ winnes nehmen wollte. Auf die Erfahrung, daß unter den jetzt beſtehenden Verhältniſſen ſo manche professores ordinarii, welche im Beſitze einer guten Beſoldung ſind und durch das gefürchtete Examen ein Monopol für gefüllte Hörſäle haben, in die nachtheiligſte Trägheit verſinken, iſt ſchon oben erwähnt worden; und hier müßte dieſelbe Möglichkeit unterſtellt werden. Durch das vollſtändige Fixiren der Beſoldungen der Profeſſoren würde aber auch zugleich das für die akademiſchen Zwecke und für die künftige Beſetzung der Lehrſtühle ſo nothwendige In⸗ ſtitut der Privatdocenten, denen man natürlich einen Gehalt nicht geben kann, gefährdet ſein.

Am Zweckmäßigſten dürfte es hiernach ſein, die an die Stelle der früheren Collegiengelder getretene, durch fixirte Zah⸗ lungen der Studenten erwachſene Summe halbjährlich in ein⸗ zelen Quoten unter die Docenten nach Maßgabe ihrer verſchiedenen, durch Fleiß und Talent erworbenen Anſprüche zu vertheilen.

Aber wie findet man zur Berechnung dieſer Anſprüche einen richtigen Maßſtab? Den Fleiß des Docenten muß man nach der Zahl der von ihm gehaltenen Vorleſungen und nach der Zahl der hierauf wöchentlich verwendeten Stunden bemeſſen; den Werth der wiſſenſchaftlichen Leiſtungen eines Docenten erkennt man aus der größeren oder geringeren Zahl ſeiner Zuhörer.*) Weder das Eine noch das Andere kann übrigens allein ent⸗ ſcheiden; die bloße Stundenzahl nicht, denn es kann ein akade⸗ miſcher Docent ſehr fleißig, aber deſſenungeachtet ſehr arm an Kenntniſſen und Talenten ſein; ebenſo kann aber auch die Zu⸗ hörerzahl allein nicht den rechten Maßſtab für die belohnens⸗ werthen Verdienſte eines Profeſſors abgeben, denn er kann ſehr talentvoll und beliebt und doch zugleich der ſtrafbarſten Trägheit

*) Ich ſetze hierbei voraus, daß durch Abſchaffung der Facultätsprü⸗ fungen der moraliſche Zwang wegfällt, welcher die Studirenden an die Hörſäle ihrer Examinatoren feſſelt.