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oder zum Beiſpiel „Die Schwierigkeiten zu löſen, die ich Ihnen ſoeben darge⸗ legt habe, haben die Rechtslehrer und Staatsmänner die ver⸗ ſchiedenſten Auswege in Vorſchlag gebracht. Es würde mir ſehr erwünſcht ſein, meine Herren, und Ihrem juriſtiſchen Scharf⸗ blicke zur Uebung dienen, wenn Sie ſelbſt erſt einmal darüber nachdächten, welche Vermittelungen und Auswege Ihnen hier möglich und zuläſſig erſchienen und mir beim Beginnen unſerer nächſten Vorleſung Ihre Anſichten mündlich vortragen wollten ꝛc.“ ſo würde hierin gewiß kein vernünftiger Menſch eine„ſchüler⸗ hafte“ Behandlung der Studirenden zu erblicken vermögen. Und daß die Frage des Profeſſors nicht etwa mit allgemeinem Schweigen erwiedert würde, darüber kann ſich derſelbe ſehr leicht dadurch verſichern, daß er vorher einige ſeiner vertrauteren Schü⸗ ler mit ſeinem Vorhaben bekannt macht und ihre Bereitwilligkeit zu antworten im Voraus erforſcht.
Durch ſolche, während der Vorleſungen von Zeit zu Zeit an die Studirenden gerichtete Fragen und zwiſchen ihnen und dem Lehrer angeknüpfte Unterredungen(die übrigens natürlich nicht ſo weit ausgedehnt werden dürften, daß dadurch ein bedeutender Zeitverluſt entſtände) würde in jedem Falle das beſſere Verſtänd⸗ niß des Vorgetragenen, namentlich ſchwieriger Materien, befördert, die Studirenden würden an Selbſtdenken und Selbſtſtudiren gewöhnt und in ein näheres, vertrauteres Verhältniß zu ihren Lehrern treten. Außerdem aber würde der Docent ſelbſt auch ſich zu überzeugen Gelegenheit haben, einmal, ob er der Pflicht der Deutlichkeit in ſeinem Vortrage genügt habe, und dann, ob ſeine Zuhörer auch fleißig, aufmerkſam und talentvoll ſeien und ob ſie ſeine Vorleſungen auch mit Erfolg beſucht haben. Ueber dieſe Dinge ſoll ja der Profeſſor Zeugniſſe ausſtellen; aber wie kann er das, ſo lange ſeine Schüler nur ſtumme Zuhörer ſind?


