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Andeutungen zu zeitgemässer Verbesserung akademischer Einrichtungen : zunächst veranlasst durch den für die Großherzogliche Hessische Landesuniversität zu Gießen neuerlich festgesetzten Studienplan und die auf denselben bezüglichen polemischen Schriften der Herren D.A.A.E. Schleiermacher und D.J.T.B.v. Linde / [Georg Zimmermann]
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und Der Verfaſſer theilt darum ganz die auch von Herrn 24 Schleiermacher in ſeinenBemerkungen neuerdings ausgeſpro⸗ udiren gſtens ätten,durch die, wenigſtens in manchen Ländern bereits eingeführte öf⸗ riebenfentliche und mündliche Rechtspflege Menſchen von der niedrigſten, Lehrerwie von der höchſten Bildungsſtufe zur öffentlichen Rede genöthigt werden, in einer ſolchen Zeit fängt es in der That allmählich an, geht,eine Schmach zu ſein, wenn die Männer, welche vor Allen die tochenTräger der Wiſſenſchaft und der höheren Cultur zu ſein berufen ſind, von dem geſchriebenen Buchſtaben ihrer Hefte ſich nicht los⸗ zuwinden, ihrer Mutterſprache ſich nicht ſo weit mächtig zu ma⸗ chen verſtehen, daß ſie über die Gegenſtände, deren Erforſchung überihr ganzes Leben und alle ihre reiche Muße ausfüllt, einen freien lebenvollen Vortrag zu halten vermögen. es inEntgegne man nicht, daß die den Zuhörern mitzutheilenden Kennt⸗ iche zuniſſe, namentlich die hiſtoriſchen, ſprachlichen und literariſchen, die rübrengerügte Methode nothwendig machen, wenn nicht unzählige Irr⸗ c gethümer und Mißverſtändniſſe entſtehen ſollen. Denn abgeſehen unddavon, daß dieſe Gefahr durch nachgeſchriebene Hefte gar nicht docenvermieden, im Gegentheile erſt recht herbeigeführt wird, ſo iſt das alleneben das Unglück, daß man die einzige und höchſte Aufgabe des überakademiſchen Vortrages in Mittheilung der zu erwerbenden Kennt⸗ läugniſſe ſucht. Wäre dieſe Aufgabe die richtige, ſo würde ich unbe⸗ daulidenklich rathen, alle akademiſchen Hörſäle zu ſchließen, weil dieſer Erwe⸗Zweck ungleich beſſer durch Lectüre und Privatſtudium, oder durch todteVerbindung mehrerer Studirenden zu gegenſeitigem Unterrichte er⸗ er esreicht werden kann. Denn wo wäre denn eine Wiſſenſchaft oder wennauch nur ein einzeles Capitel einer Wiſſenſchaft, worüber nicht weit vollte,gründlichere Schriften exiſtirten, als bei weitem die Mehrzahl aller jedemProfeſſorenhefte? Weſches Capital könnte alſo von den Staaten und n he⸗von den einzelen Familien erſpart werden, wenn man ſich, ſtatt errendes Beſuches der Univerſitäten, bloß auf Anſchaffung der nöthigen Eineliterariſchen Hülfsmittel beſchränken wollte, aus welchen bei eini der.gem Privatfleiße eben ſo Viel, und wohl Mehr gelernt werden rüchkann, als aus den in der bisherigen Weiſe abgehaltenen Vorle. leſenſungen.Doch nein, die Beſtimmung der Univerſitäten iſt 3eine höhere. Der akademiſche Vortrag ſoll den todten Buchſtaben vender Wiſſenſchaft beleben, die Kraft anregen, das Gemüth begei iſch

ſtern; aber freilich das Alles hat noch niemals ein abgeleſenes

5und in die Feder dictirtes Wort vermocht. elchet