Druckschrift 
Andeutungen zu zeitgemässer Verbesserung akademischer Einrichtungen : zunächst veranlasst durch den für die Großherzogliche Hessische Landesuniversität zu Gießen neuerlich festgesetzten Studienplan und die auf denselben bezüglichen polemischen Schriften der Herren D.A.A.E. Schleiermacher und D.J.T.B.v. Linde / [Georg Zimmermann]
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen

17

ſelben dem Staate kaum zumuthen könnte, oder die vorhandene kleinere Anzahl von Docenten müßte ſich Anſtrengungen unter⸗ ziehen, die man kaum von ihnen verlangen könnte und die ſie überdieß an jedem wiſſenſchaftlichen Fortſtudiren hindern würden.

Dieſem Uebelſtande könnte jedoch dadurch auf die leichteſte Weiſe abgeholfen werden, daß man den inländiſchen Stu⸗ direnden, für welche ja allein die Vorſchriften eines Studien⸗ plans bindende Kraft haben, künftighin nur Einmal im Jahre das Beziehen der Landesuniverſität geſtattete. Alsdann würde man in jedem Semeſter nur Studirende von drei Semeſtern(alſo vom erſten, dritten, fünften oder zweiten, vierten, ſechsten) haben, es würde alſo nach der oben aufgeſtell⸗ ten Forderung die Hälfte der vorſchriftsmäßig zu leſenden Colle⸗ gien geſpart ſein.

Für den Ausländer, der die betreffende Hochſchule bezieht, hat dieſe Einrichtung gar nichts Störendes, ſie hat überhaupt auf ihn gar keinen Einfluß, indem die Vorſchriften des für die Inländer gegebenen Studienplans für ihn nicht bindend ſind und die Semeſter⸗Eintheilung im Weſentlichen ja ganz bleibt wie bisher.

IV. Ueber die Lehrweiſe auf Hochſchulen.

Zur Studienzeit des Verfaſſers(vor 15 16 Jahren) war es, wenigſtens in Gießen, noch allgemeine Sitte, daß die Pro⸗ feſſoren ihre Vorträge dictirten und die Studenten Wort für Wort nachſchrieben.

Daß ſolche Vorleſungen hierdurch ganz den Charakter wiſſen⸗ ſchaftlicher Vorträge verlieren; daß mit dem Wegfallen des rheto⸗ riſchen Gewandes auch alle die eigenthümlichen Wirkungen weg⸗ fallen, welche die Kraft und Gewandtheit eines geiſtvollen und begeiſterten Redners auf Geiſt und Herz ſeiner Zuhörer durch einen freien Vortrag ausüben kann und ſoll; daß vielmehr auch